Verfasst von: gegenkritik | 15, Oktober 2009

Tierfreunde in Gaza und Dresden

Zesel

Es ist eine Story ganz nach dem Geschmack des Herz- und Magenblatts der Deutschen: Die von Israel schikanierten Palästinenser können in ihrem Zoo keine Zebras ausstellen, weil die jüdischen Mensch- und Tiermörder wieder keine Gnade kannten. Während seine Leidensgenossen Widerstand mit der Qassam leisten, bepinselt Zoodirektor Quassim zwei Esel und erklärt diese zu Zebras um Freude und Glück in die Herzen der Palästinenserkinder zu bringen.
Freude und Glück brachte Quassim auch in die Herzen der SZ-Redakteure, denn im Land der Tierfreunde und Judenhasser hat man für den Kampf der Palästinenser nicht nur größtes Verständnis, man weiß seit Richard Wagner und den Schächtszenen in „Der Ewige Jude“ auch ganz genau, daß Tierquälerei undeutsch, also jüdisch ist.

So lässt die Süddeutsche ihren palästinensischen Kronzeugen anklagen: Während des Gaza-Krieges um den Jahreswechsel wurde nach den Worten von Direktor Quassim auch der Zoo beschossen. Nur 25 bis 30 Tiere seien nach Ende der Militäraktion an ihrem Platz gewesen. Viele Tiere seien getötet worden oder aber entfleucht.
Weshalb die Palästinenser in ihrem Zoo Sprengladungen anbrachten, muss die SZ hingegen nicht interessieren, denn im kollektiven Gedächtnis dröhnt die Erinnerung an Dresden, jenes Symbol deutscher Unschuld, das ebenfalls durch Terrorbomber zerstört wurde und dessen Zoo samt Insassen gleichfalls nicht verschont blieb, wie deutsche Augenzeugen versichern:

„Und plötzlich, mitten in dieses Durcheinander, stürmten zahme und wilde Tiere aus dem nahen Zoologischen Garten, der ebenfalls mit Bomben belegt war. Die rasendgewordenen Tiere sprangen über die Zäune des Zoos, rannten mit schon brennendem Fell oder erschreckt von dem Dröhnen und den Flammen und brüllten. Niemand konnte mehr unterscheiden, welche Kreatur die Schreie des Entsetzens und des Schmerzes ausgestoßen hatte: Die Menschen oder die Tiere … Auch die Raubtiere hatten in ihrer entsetzlichen Angst alle Scheu vor den Menschen verloren. In diesem Hexenkessel wurden Löwen zu zahmen Haustieren, und eine Frau berichtete, daß sie die ganze Nacht auf dem Rücken eines Löwen saß, der sich unter der Berührung des Menschen nicht rührte, weil er sich dadurch wohl vor der mit so fürchterlichem
Krachen verbundenen Gefahr geschützt glaubte.“
[...] „… und es ist keine Legende, daß eine Einwohnerin an der Tiergartenstraße am frühen Morgen des 14. ein Scharren und Kratzen an der Tür vernahm, und als die Frau hinausschaute, stand mit bittend erhobenen Tatzen ein mächtiger Braunbär vor ihr, auf dessen Schulter ein blutendes Rhesusäffchen hockte.“

An die deutsche Vorlage von Tierleid und Judenhass reicht Zoodirektor Quassim mit seinen „Zeseln“ eben doch nicht heran.

Verfasst von: Woopaa | 31, Juli 2009

Sex and the zone

Autokino

„Sicher nicht alles war gut, aber eben auch nicht alles schlecht in der DDR“ sind sich bis heute bekennende Zonis einig, wobei noch bemerkt sei, dass diese durchaus nicht lange dort gelebt haben müssen. Auch erst weit nach 1990 eingeschulte Zonenkinder wissen ebenso ausführlich wie ihre geschulten Eltern oder Großeltern über die positiven Seiten ihres Heimatlandes zu berichten.
Der Kniff aus jeder Not eine Tugend zu machen ist dermaßen fest Bestandteil ostzonaler Weltanschauung, dass es, wie vor kurzem im Feuilleton der Berliner Zeitung geschehen, keinerlei Schwierigkeiten bereitet, das Nichtvorhandensein von Autokinos in der ehemaligen DDR damit zu erklären bzw. zu beschönigen, dass man als „legendär-sexualkundiger Ostdeutscher“ im Gegensatz zu den, na was wohl, „prüden“ Amerikanern einen Ort wie diesen überhaupt nicht nötig gehabt hätte, der, so Ulrich Seidler, deshalb so populär gewesen wäre, da man nur dort hätte ungestört erste sexuelle Erfahrungen machen können. Dass es aufgrund des Mangels an Autos, den damit verbundenen langen Wartezeiten und somit logischerweise auch des Mangels an Autokinos in der DDR den Jugendlichen überhaupt nicht möglich gewesen ist, auf diese Weise erstmals ungestört Körperflüssigkeiten austauschen zu können, wird natürlich geflissentlich ignoriert.
Man ist stolz, macht sich den angeblich ach so freien Umgang mit Sexualität der DDR-Volksgemeinschaft zueigen, ohne sich je bewusst zu werden, dass vorrangig nicht für Prüderie, sondern vielmehr für Privat- bzw. Intimsphäre im auf Kollektivität ausgerichteten Arbeiter- und Bauerstaat kein Platz sein sollte. So kommt es auch, dass manch einer meint, die Zurschaustellung mal mehr, oft weniger anschaulicher Volkskörper auf Usedom oder Rügen hätte einen Hauch von Freiheit oder gar Systemablehnung besessen. Vielmehr das Gegenteil ist der Fall: Die Zwänge, nicht die Möglichkeit (!), Intimität preiszugeben werden auf diese Weise zu einer angeblich herrschenden Antiprüderie umgedeutet. Ein weiterer Punkt, welcher aufzeigt, dass sexuelle Freiheit eher weniger mit Individualität und vielmehr Kollektivität zu tun hatte, ist der Umgang mit Homosexualität in der DDR. Auch nach gesetzlichen Legalisierungsmaßnahmen wurden Homosexuelle im Osten von der Stasi weiterhin observiert, galten folglich als dem Staat und dem Volk feindliche Personen.
Nicht grundsätzlich anders verhält es sich mit zahlreichen weiteren Zonenmythen, wie beispielsweise die der Geschichte einiger Finnen, welche durch die DDR reisten um sich dort einige Schulen anzuschauen. Keine Bildungsdebatte in Deutschland kommt mittlerweile ohne irgendeinen „Bildungsexperten“, meist der Linkspartei aus, der nicht von dieser Geschichte zu berichten wüsste. Das hervorragende Abschneiden finnischer Schüler beim Pisa-Test sei, davon ist man felsenfest überzeugt, auf das Schulsystem der DDR zurückzuführen. Der autoritäre Charakter dieses auf kollektive Unterordnung zielenden Systems wird auch hier entweder ignoriert, relativiert oder gar als Lösung des Problems affirmiert, ganz nach dem Motto: am DDR-Schulwesen soll die Welt genesen.
Mangel als Auszeichnung und Lösung, Affirmation eigenen Elends und ein kaum zu bändigender Geltungsdrang sind, so zeigen jene zwei Beispiele, weiterhin Ausdruck sehr deutscher Antworten auf Krise und Moderne.

Verfasst von: gegenkritik | 28, Juli 2009

Die frohe Botschaft

Westbank settlement

Wenn das schreibende Deutschland in Gestalt Ulrike Putz’ über eine Nachricht aus Israel sich empört, dann muss das Anlass zur Freude sein für jeden Freund des jüdischen Staates.
So auch diesmal: 304.569 Juden, so echauffierte sich die deutsche Pressesprecherin der Hamas, würden mittlerweile außerhalb des ihnen von deutscher Seite zugewiesenen und zugestandenen Lebensraumes wohnen.
Bekanntermaßen sind insbesondere die jüdischen Unterkünfte in Judäa und Samaria deutschen Raumplanern ein Dorn im Auge, da man – so empathisch sind Deutsche – ganzen Herzens mit den Palästinensern fühlt, denen nicht zugemutet werden könne, die Anwesenheit von Juden zu ertragen.
Als dieses Anliegen kürzlich wieder mal hochoffiziell und ohne die geringsten Skrupel vom deutschen Vizekanzler formuliert wurde, hatte der israelische Ministerpräsident die richtige Antwort parat: Judäa und Samaria, so Netanyahu, dürften nicht judenrein werden.
Es war dies eine erfreulich deutliche Replik auf die unverschämten Einmischungen deutscher Politiker in israelische Angelegenheiten, die zudem den Kern derartiger Ansinnen auf den Punkt brachte: die dreist angemaßte Entscheidungshoheit über den Wohnort von Juden steht deutlich in der historischen Kontinuität des deutschen Dranges, über jüdisches Leben prinzipiell entscheiden zu wollen.

Den 304.569 Juden – darunter auch jenen, die gewitzt kundtaten, was sie von des US-Präsidenten Forderung nach einem „Siedlungsstopp“ hielten und ihr Settlement Obama Hilltop tauften – , die bei ihren Feinden für soviel Unmut sorgen, sei für die Zukunft alles Gute gewünscht.
Mögen ihre Siedlungen prosperieren und ihre Leben vom Bündnis der deutschen Regierung mit den arabischen Mörderbanden möglichst unbeeinträchtigt bleiben.

Verfasst von: gegenkritik | 4, Juli 2009

Amnestys Forderungen werden erhört

Vor wenigen Tagen forderte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International:

Die Überwachung der Demonstrationen sollte der Polizei oder anderen Sicherheitskräfte überlassen werden, die adäquat ausgebildet und ausgerüstet werden.

Bassiji Messer

Ob dieser Herr bereits die von AI eingeforderte adäquate Ausrüstung schwingt, ist unklar. Eventuell muss er sich auch noch einige Tage mit seinem inadäquaten Messer begnügen, aber dann gibt’s Abhilfe, denn für adäquate Ausrüstung sorgen demnächst diejenigen, die schon in der Vergangenheit dafür zuständig waren, an das Mullahregime Polizeiausrüstung und Gewehre zu liefern:

The 8th International Police, Safety and Security Equipment Exhibition “IPAS 2009” will be held in the territory of the Tehran Permanent International Fair Ground (hall.38) on JULY 15th 18th, 2009.
It is the only exhibition event in Iran in the field of security that has a special importance as one of the most prominent exhibition in the Middle East.
“IPAS” follows supreme goals and valuable objectives such as:
Updating and promoting quality and quantity of police equipment using new technologies.
Omitting intermediates and providing direct contact between users and suppliers through marketing to reduce finished prices.
Amending and improving process of purchase
Making producers competitive to provide logic connection between different industries.
Introduction to newest international technologies and outcomes in the field of police, safety and security equipment and etc.
“IPAS” every year hosts hundreds of internal and foreign companies and visitors including:
- Executive authorities and their assistants.
-Military and civil power men.
- Cultural, Economic& Politic in powers.
- Security experts of state and non state organizations
- Raise building makers.
- Foreign countries ambassadors and representatives.
- Representatives and experts of state and private banks.
– Security and safety equipment importers, exporters, representative and experts.
-Innovators.
from all over the word introducing their newest technologies in the field of safety and security equipment (Weapon and, uniform and clothes, light and image instruments, traffic equipment, aid and relief equipment, educational and consulting systems and other field such as x-ray equipment, crime discovery and anti-crimes systems, police structures, fingerprinting equipment, bullet-proof glasses, types of locks, oil industry safety equipment, etc.)
“IPAS” was recorded in the list of international exhibitions and introduced in all foreign and domestic famous sites.
“IPAS” respectfully invites all internal and foreign companies to participate in The 8th International Police, Safety and Security Equipment Exhibition “IPAS 2009” in the hope of achieving its brave sights.

Unter dem Punkt General Conditions & Regulations wird für die Mullahschergen folgendes in Aussicht gestellt:

Weapons & Ammunitions
Types of cool and warm weapons, types of explosive materials, tear gas, anti-rebellion equipment, bomb & mine deactivation equipment, etc.

Ob Vertreter der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ebenfalls an der Messe teilnehmen – etwa als Berater für die adäquate Ausrüstung zur Niederschlagung von Demonstrationen – ist bis dato noch offen.

[Crosspost bei Free Iran Now]

Verfasst von: gegenkritik | 2, Juli 2009

Nationalbolschewistische Presseschau

Nein, Schweigen zur Situation im Iran kann man der jungen Welt – im Gegensatz zu ihren linken Gesinnungskameraden – leider nicht vorwerfen, das nationalbolschewistische Kampfblatt hat sich bisher stets klar positioniert – auf Seiten des Mullahregimes.
Am 27. Juni frohlockte zunächst Werner Pirker über die vermeintliche Niederschlagung der Opposition und wusste auch, weshalb das Unternehmen in die Hose gehen musste:

Es war kein Aufstand der Habenichtse, von Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben. Es war ein Aufstand der Hedonisten, denen es erfahrungsgemäß an heroischem Durchhaltevermögen mangelt.

Einige Tage später sekundierte Knut Mellenthin den Mullahs und knüpfte an die Propagandamärchen an, wonach Neda Agha-Soltan nicht von Regimeanhängern ermordet worden sei.
Und nun das: Pedram Shahyar, der sich, wie Thomas von der Osten-Sacken zurecht schreibt, wirklich größte Mühe gab, seine antiimperialistischen Freunde nicht zu vergraulen, wird im Interview mit Rüdiger Göbel vorgeführt, was deutsche Nationalbolschewisten meinen, wenn sie von Internationaler Solidarität schwafeln: Den Schutz noch der übelsten Regime vor jeglicher Kritik.
Alles Bitten Shahyars um Solidarität mit der iranischen Oppositionsbewegung ist vergebens, die junge Welt steht in Treue fest an der Seite Ahmadinejads. So scheitert selbst die auf die antizionistischen Reflexe der jW-Autoren abzielende Bemerkung:

Nicht umsonst zittern nicht nur die israelischen Hardliner vor dieser Bewegung, weil ihnen ihr Lieblingsfeind abhanden käme [...]

Als Tip für Herrn Shahyar: Beim nächsten Interview einfach kolportieren, daß Ahmadinejad Jude sei. Dann klappt’s vielleicht mit dem Schulterklopfen der jungen Welt.
Oder aber man sagt sich gleich von diesen Leuten los.

[Crosspost auf Free Iran Now!]

Verfasst von: gegenkritik | 25, Juni 2009

Querfront für Ahmadinejad

Daß es um Jürgen Elsässer seit einigen Jahren nicht zum Besten bestellt ist, dürfte keine neue Erkenntnis darstellen: selbst vom Neuen Deutschland – wahrlich kein Organ, das sich dem volksgemeinschaftlichen Schicksalskampf verschließt – wurde er vor die Tür gesetzt, nachdem allzu ruchbar wurde, daß seine Volksinitiative von originären NPD-Positionen kaum mehr unterscheidbar ist, mithin die Komplimente verschiedener Nazis wie des NPD-Fraktionsvorsitzenden Holger Apfel oder dessen Kollegen Jürgen Gansel kein Zufall, sondern der verdiente Lohn für Elsässers Bemühen um Aufnahme in die Volksgemeinschaft sind.
Im selben Maße, wie sich ehemalige Weggefährten von ihm distanzieren, weil er zu konsequent und offen das Wesen des Antiimperialismus ausplaudert, sucht sich Elsässer andere Kameraden, die Auskunft über das neue Niveau des Volksfrontlers geben: für Gestalten wie den Verschwörungskasper des obskuren Weblogs Alles Schall und Rauch, dessen Furcht vor der jüdischen Weltverschwörung derart tief sitzt, daß er hinter seinem PC kaum einen halbwegs gescheiten Satz zu formulieren imstande ist, hätte Elsässer in seinen besseren Tagen allenfalls Spott übrig gehabt, mittlerweile aber trifft er sich mit solchen Kretins, um sich beim völkischen Heimatabend mit Schauergeschichten über Hochfinanz, westliche Geheimdienste und was der Verschwörungsfreunde Herz sonst noch so erfreut, wohlig zu gruseln.

Iran Demonstration
„Strichjungen des Finanzkapitals“

Einer der neueren Artikel des Volksfreundes über die Oppositionsbewegung im Iran – die Demonstranten verhöhnte er als Discomiezen, Drogenjunkies und Strichjungen des Finanzkapitals – fand im dazugehörigen Kommentarbereich nicht nur den Beifall des Jihad-Stalinisten Chris Sedlmair.
Elsässers ausdrückliche Freude über brutalste Folter und Mord an den Demonstranten – Gut, dass Ahmidenedschads [sic] Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben – lockte zwangsläufig auch jene an, für die Folter und Mord maßgeblicher Bestandteil ihres politischen Programms sind.
Das Nazigrüppchen mit dem lächerlich hochtrabenden Namen Netzwerk Sozialistische Nation ist, anders als die meisten kritischen Stimmen, auf Elsässers Website gern gesehen.
Und so taten Jürgens Freunde kund (Orthographie wie im Original):

Ulla Jelpke enttarnt
Die Claudia und die Ulla traten vor 4.000 Exil-Iranern, deutschen Linksliberalen und antideutschen Neocons auf, beehrten dabei die Menge in Hamburg mit viel Geschwätz über Menschenrechte und Demokratie. http://demoberlin.blogspot.com/
[...]
Jelpke inszeniert sich ab und an als „Antiimperialistin“ und „Antizionistin“, behauptete gar das jeder ein Verbrecher sei der die israeliche Regierung unterstützte. [...] Das der Iran aber auf ihrer Feindliste steht machte sie schon länger deutlich [...] Die Arbeiterkommunisten wollen vor allem die kulturelle Grundlage des Iran – den schiitischen Islam – ausmerzen und damit dem Iran seiner
na was wohl?
Identität berauben und versteckt sich hierbei kaum verborgen hinter Floskeln. Jelpke zeigte mit ihrer Teilnahme, ja dem Umstand das sie neben der Claudia als Hauptrednerin auftrat das sie nichts weiter als eine Heuchlerin ist. [...] Zugegen war etwa die Neoconservative Iniative „Stop the bomb“, aus deren Kreisen, etwa ein B. Morris zum atomaren Holocuaust gegen Teheran aufrief. Mit dabei waren natürlich Gestalten wie der Bush-Fan Thomas von den Osten Sacken, die antideutsche Antifa, die Hamburger CDU, Broders Achse des Guten. Ja, dass ist also das Milieu der angeblichen US-„Kritikerin“ und „Antizionistin“ Jelpke. Ob wohl PI bald ein nettes Transparent für die Frau Jelpke entwirft? Wer weiß. Da fühlten sich die Iran-Ausräucherer von Gegenkritik etwas unangenehm berührt:
Zitat
Für deutlich mehr Missbehagen sorgte da schon Ulla Jelpke, die sich ganz offenkundig in der Veranstaltung geirrt hatte, demonstrierte sie doch noch vor kurzem unter der Flagge der Hisbollah für eben jenen Jihadistenmob, dessen Mitglieder nun im Iran Jagd auf Oppositionelle machen.
[...]

Der da in seiner Suada verschiedene Veranstaltungen durcheinanderwürfelt – Roth und Jelpke traten am 21. Juni auf der Demonstration in Berlin und nicht in Hamburg auf, wie auch aus der vom Nazi selbst geposteten Webadresse hervorgeht – ist Bestandteil eines hauptsächlich in den inzestuösen Verhältnissen des eigenen Webforums vor sich hin gammelnden Haufens, dessen Mitglieder sich die Tageszeit nebenher als Moderatoren beim Internetforum der Nazi-Bravo Rock Nord vertreiben und über ihren politischen Werdegang im Interview äußern: Irgendwann, ich glaube, es war 2001 zur Wahl des Abgeordnetenhauses, kam ich dann zum ersten Mal bewusst in Kontakt mit einem Wahlplakat der NPD oder der REPs. Ich weiß nicht mehr, was darauf stand, auf alle Fälle fühlte ich mich irgendwie zu einer traditionell-deutschtümlichen Einstellung hingezogen.
Man kann Jürgen Elsässer zu seinen neugewonnenen Freunden nur gratulieren.

Die Iran-Ausräucherer von Gegenkritik geben ferner bekannt: Daß den deutschen Freunden Ahmadinejads Ulla Jelpke als Volksverräterin und Iranfeind (so Elsässer über alle Demoteilnehmer) gilt, obschon sie ausdrücklich gegen jede Intervention des Westens zugunsten der iranischen Opposition Stellung bezog, ist ebenso erheiternd wie der unzutreffende Vorwurf, Jelpke inszeniere ihren Antizionismus nur, sei also gar nicht mit ganzem Herzen dabei. Elsässer und seinen Nazifreunden sei hingegen gewünscht, daß ihnen dereinst einige der von ihnen verhöhnten iranischen Discomiezen, Drogenjunkies und Strichjungen über den Weg laufen.

Weitere Demonstrationstermine der Iranfeinde finden sich in der Übersicht bei
Free Iran Now!

Verfasst von: gegenkritik | 24, Juni 2009

In eigener Sache

Aus gegebenem Anlass an dieser Stelle der Hinweis auf einen vor kurzem gegründeten Weblog, auf welchem mehrere Autoren aktuelle Meldungen, Analysen und Hintergrundberichte zu den Geschehnissen im Iran posten.

Verfasst von: gegenkritik | 22, Juni 2009

Time for a new revolution

Time for new revolution

Where’s the support? Zumindest etwas Unterstützung ist out there: etwa 4.000 Demonstranten auf Solidaritätskundgebungen in Hamburg, mehrere hundert in Frankfurt und Köln sowie 2.500 in Berlin. Zur dortigen Demonstration hatte ein augenscheinlich recht heterogenes Bündnis aufgerufen, dennoch mündeten politische Meinungsverschiedenheiten unter den iranischen Gruppen nicht in Unmutsbekundungen gegeneinander. Für deutlich mehr Missbehagen sorgte da schon Ulla Jelpke, die sich ganz offenkundig in der Veranstaltung geirrt hatte, demonstrierte sie doch noch vor kurzem unter der Flagge der Hisbollah für eben jenen Jihadistenmob, dessen Mitglieder nun im Iran Jagd auf Oppositionelle machen.

Demo Berlin FIN

Wie ernst es Jelpke und ihrer Partei tatsächlich um die Solidarität mit den Menschen im Iran zu tun ist, verdeutlichte denn auch ein Flugblatt der LINKEN, in welchem zunächst das Mullahregime als Adressat von Forderungen wie einer Klärung der Wahlbetrugsvorwürfe ausdrücklich anerkannt wurde, um schließlich diesem zu versichern, daß man militärische Interventionen und Sanktionen kategorisch ablehne, die Menschen im Iran schließlich das Recht hätten selbst zu entscheiden. Das wird in Teheran vermutlich großen Eindruck hinterlassen, obschon eine Reaktion Khameneis an die mutige Ulla Jelpke bis dato noch aussteht.
Kaum weniger grotesk mutete ein Flugblatt der Internationalsozialisten marx21 an, in welchem endlich klargestellt wurde, was die tatsächlichen Beweggründe der iranischen Demonstranten sind: gegen neoliberale Kürzungen seien die Proteste gerichtet. Irgendwie hatte man ja schon immer geahnt, daß mit den Mullahs etwas nicht stimmt.

Demo Berlin FIN

Nachdem der Demonstrationszug sich in Bewegung setzte, neben musikalischer Untermalung zudem Parolen nicht nur gegen Ahmadinejad, sondern auch die Islamische Republik zu vernehmen waren und Mitglieder von Stop the Bomb mit ihren Flugblättern einen Kontrast zu oben erwähnter Realsatire verteilten, folgte auf halber Höhe der Route die nächste Schrecksekunde: aus dem Hinterhalt einer Seitenstraße stürzte Claudia Roth in giftgrüner Jacke, mit emporgestreckter Faust und einem Habitus wie weiland Rudi Dutschke am Grab von Holger Meins den Demonstranten entgegen. Glücklicherweise verflog der revolutionäre Eifer ebenso plötzlich wieder und jene Frau, die wohl wie kaum jemand sonst das Niveau der Grünen verkörpert, verhielt sich bis zur Abschlusskundgebung ruhig.

Claudia Roth

Es blieb zu resümieren, daß man sich weiterhin statt Sonntagsreden westlicher Politiker – hießen sie nun Obama, Merkel oder Claudia Roth – im Umgang mit den iranischen Machthabern viel eher eine praxisbezogene Politik erhofft – eine Orientierungshilfe gaben die Transparente der Demonstranten am Sonntag.

Ayatollah Koffer packen

Verfasst von: gegenkritik | 18, Juni 2009

Interview mit Iranbato

Proteste in Teheran

Enervierend war sie schon immer, die Omnipräsenz des Experten Peter Scholl-Latour in den Talkrunden und Feuilletons der Republik. Dessen kaum verhohlene Begeisterung für den „Sieger“ der iranischen Präsidentschaftswahlen und die nuklearen Ambitionen des Gottesstaates verdeutlichte nochmals die Notwendigkeit von Informationsquellen jenseits dieses deutschen Pressesprechers der Mullahs.
Als Alternative empfiehlt sich hier der deutschsprachige Weblog Iranbato. Im folgenden ein Interview mit einer der Betreiberinnen.

Wie kam es zur Gründung eures Weblogs und wer betreibt diesen? Welche Resonanz habt ihr bis jetzt auf eure Artikel erfahren?

Wir haben in Gesprächen mit Nichtpersern immer wieder feststellen müssen, dass zum einen Teil ein Fehlwissen und zum anderen Teil ein Mangel an Wissen vorhanden ist über den Iran als ganzes, über die Menschen und deren Situation. Mit der Gründung des Blogs wollen wir da gezielt entgegenwirken und aufklären. Aber wir wollen nicht im Sinn einer Ideologie oder einer politischen Gruppe agieren, wir glauben ausschließlich an die Demokratie und daran, dass jeder Mensch das Recht hat in Freiheit zu leben. Zudem arbeiten wir nur auf Grundlage seriöser Quellen; Behauptungen werden immer mit Quelle genannt. Der Blog hat vier Gründungsmitglieder – zwei Perser und zwei Deutsche – die alle auch als Autoren aktiv sind. Das Feedback war bislang ausschließlich positiv, wir wurden von vielen anderen Weblogs verlinkt und haben damit auch unseren Leserkreis stetig erweitern können, zumal wir offensichtlich der einzige Blog dieser Art im deutschsprachigen Raum sind.

Das weitere Interview ist auf Iranbato veröffentlicht.

Verfasst von: Woopaa | 11, Mai 2009

Linksdeutscher Israelexperte

Es ist nichts Neues, dass vor allem Deutsche sehr interessiert an israelischer Politik sind, meinen doch viele als alles ausgewogen betrachtende Linke ganz besonders dazu prädestiniert zu sein, die Geschehnisse im Nahen Osten zu beurteilen. Speziell denen von ihnen, die in Israel oder den Palästinensischen Autonomiegebieten weilen, wird gern ein hohes Maß an „Neutralität“, „Augenmaß“ oder eben „Ausgewogenheit“ zugestanden, welches sie insbesondere von der Einseitigkeit israelischer „Hardliner“, also quasi aller Israelis außer Uri Avnery, abhebt.

In der April-Ausgabe des Uni Spiegel berichtet der deutsche Student Markus Flohr in Teil III seines Tagebuchs von seinem Leben in Jerusalem. Zum 22. Januar heißt es:

„Ich lese die Nachrichten. In drei Wochen wählt Israel: Der Rechte Benjamin Netanjahu tritt gegen die Halbrechte Zipi Livni an. Der Chef der angeblich linken Arbeitspartei ist Ehud Barak, aktueller Verteidigungsminister, ehemaliger Ministerpräsident und einer der Verantwortlichen für den Angriff auf Gaza im Dezember. Der große Star der Wahl scheint aber Avigdor Lieberman zu werden. Der ist noch rechter als Netanjahu und Livni und lässt noch lieber die Säbel rasseln als Barak.“

Der gemeine deutsche Student erfährt also, was er ohnehin schon weiß, dass nämlich die „Opfer von gestern, die Rechten von heute sind“.

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