Der oberste Rechtsgelehrte der SPD

Wahrscheinlich werd ick diese Partei wähl’n, denn dit is’ so ein beruhijendet Jefühl: Man tut wat für de Revolution und weeß janz jenau, mit diese Partei kommt se janz bestimmt nich’!

Deutsche Sozialdemokraten haben es dieser Tage gewiss nicht leicht: ihr Bundesvorsitzender ist im Wahlvolke nicht sonderlich bekannt und bei denen, die dann doch schon einmal von Kurt Beck gehört haben, nicht übermäßig beliebt. Nun kündigte auch noch der stramme Parteisoldat Franz Müntefering seinen Rücktritt vom Posten des Arbeitsministers und des Vizekanzlers an; Gerüchte, hinterhältige Heuschrecken hätten den tapferen Sauerländer zu eben diesem Schritt genötigt, fanden bis dato keine Bestätigung.
Die Nachfolge Münteferings als Vizekanzler ist hingegen bekannt: mit Frank-Walter Steinmeier, vormals unter Schröder Chef des Bundeskanzleramtes und nun amtierender Außenminister, wird wieder zum ungeschriebenen Gesetz zurückgekehrt, wonach das Oberhaupt am Werderschen Markt 1 zugleich auch den Bundeskanzler im Falle von dessen Abwesenheit vertritt.

Steinmeier machte unterdessen mit einer ganz anderen Aktion von sich reden: zusammen mit seinem französischen Amtskollegen Bernhard Kouchner nahm der designierte Vizekanzler einen “Integrationssong” mit Namen “Deutschland” auf.
Angeleitet wurden die beiden Politiker dabei von dem türkischstämmigen Sänger Murat Ersen alias Muhabbet (Foto).

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Eine schöne PR-Aktion, deren Ankündigung allenthalben auf positive Resonanz stieß.

Weniger erfreulich für Außenminister und Sangesknaben war allerdings der Zwischenruf der Journalistin Esther Schapira, wonach Muhabbet während der Preisverleihung für Schapiras Dokumentarfilm “Der Tag, als Theo van Gogh ermordet wurde”, in dem die Ermordung des niederländischen Filmemachers nachgezeichnet wird, sich ihr gegenüber mit den Worten äußerte, van Gogh hätte noch Glück gehabt, er hingegen hätte den Islamkritiker in einen Keller gesperrt und gefoltert.

Schapiras Kollege Kamil Taylan, bei Muhabbets harsch vorgebrachter Filmkritik ebenfalls zugegen, bestätigte die gefallene Äußerung, außerdem hätte dieser auch Ayaan Hirsi Ali - der seit Jahren von Islamisten mit dem Tode bedrohten Islamkritikerin und Drehbuchautorin von van Goghs Film Submission Part I - den Tod gewünscht.

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Dem Außenminister waren derartige Äußerungen seines Schützlings aber keine Distanzierung von eben jenem wert, stattdessen nahm er diesen ausdrücklich in Schutz und wünschte sich, “daß man sich vielleicht konkret mit dem beschäftigt hätte, was Herr Muhabbet in den letzten zwei Jahren gemacht hat”.

Sprach’s und wich der Kritik ganz elegant aus.

Womöglich steht Steinmeier aber auch inhaltlich hinter den Äußerungen seines Integrationssängers, wird Theo van Gogh doch nicht selten mindestens eine Mitschuld an seiner Ermordung attestiert, da der gemeine Islamist sich bei einem Islamkritiker eben nicht anders als durch den beherzten Messerstich zu helfen wüsste.

In diesem Lichte betrachtet, bekommt die Integrationsleistung Steinmeiers und Muhabbets eine gänzlich neue Bedeutung und Tucholsky müsste seinen älteren, aber leicht besoffenen Herrn korrigieren: denn die SPD tut etwas für die Revolution.

Wenn auch für die islamische.

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