Wie gezeigt, hat Dietmar Näher für eine kleine Insel rechtsstaatlicher Demokratie im Nahen Osten nicht sonderlich viel übrig – viel mehr Sympathien hegt der politisch Korrekte da schon für das iranische Mullahregime, dessen Rechtfertigung er und seine Getreuen allenthalben besorgen. Aber auch ein anderer Staat darf sich der Gunst der Gutmenschen hierzulande sicher sein: seit die Putin-Clique vor einigen Jahren im Kreml sich festsetzte, eifrig an der Transformation Russlands von einer defekten Demokratie in ein autokratisches Regime werkelt, die Sanktionsmaßnahmen des Weltsicherheitsrats gegen den Iran unterminiert und als Antwort auf das NMD in Polen und Tschechien Atomraketen auf Europa ausrichtet, erhoffen so einige rot-braune Friedensfreunde eine Renaissance des sowjetischen Unrechtssystems – nach dem imperialistischen Gebaren Moskaus in Georgien überschlugen sich die Gemüter der amerikakritischen Russlandfreunde.
Für Aufregung sorgte dieser Tage ein Interview des ARD-Journalisten Thomas Roth mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin. Der ARD, die den Propagandasermon des Kremldespoten um einige irrelevante Auslassungen kürzte, da das Interview als solches sowohl für Tagesthemen/Tagesschau als auch für die anschließende Sendung deutlich zu lang geriet, wurde von den üblichen Verdächtigen „Zensur“ vorgeworfen. Roth selbst erklärte dazu:
Wir haben mit der russischen Seite, also dem Pressedienst des Ministerpräsidenten, vereinbart, dass wir, sofern der Inhalt es rechtfertigt, in den Nachrichtensendungen der Tagesschau und den Tagesthemen über das Interview berichten und außerdem eine zirka zehnminütige Zusammenfassung nach den Tagesthemen senden. Das haben wir selbstverständlich auch getan.
Das Interview selbst war erheblich länger, was übrigens durchaus häufig vorkommt. Fernsehen, Radio, aber auch Zeitungen stellen in einem solchen Fall eine redaktionelle Fassung her, die dann in dem vorbesprochenen Rahmen auch veröffentlicht wird. Mit Zensur hat das nicht das geringste zu tun. [...]
Ich habe zugelassen, dass das Interview durch mehrere russische Sender begleitet wird und nach einer vereinbarten Sperrfrist (20:00 Uhr Ortszeit) nach eigener Entscheidung veröffentlicht werden kann. Die russischen Sender haben das in sehr unterschiedlichen Längen getan (von 5 bis zu rund 40 Minuten). Einige haben nur das aus ihrer Sicht Wichtigste veröffentlicht. Verpflichtet waren sie nur zur Quellenangabe: ein Interview der ARD, Erstes Deutsches Fernsehen. Nur zum Verständnis: Hätte die ARD Interesse daran gehabt, irgendetwas nicht zu veröffentlichen, hätten wir uns gar nicht erst auf solche Bedingungen eingelassen
Kein ungewöhnlicher Vorgang möchte man also meinen, schließlich ist die ARD kein russischer Propagandasender und statt der Verbreitung nationalbolschewistischer Ideologie der Information deutschsprachiger Zuschauer verpflichtet.
Da Putin-Russland aber wie erwähnt von allerlei antiamerikanischem Geschmeiß als erstarkender Gegenpol zu den USA erhofft wird, empört sich auch Dietmar Näher über die Zensurschere der ARD:
Eine solch manipulative Vorgehensweise nennt man schlicht und ergreifend – und hier trifft der Vorwurf wirklich einmal zu – Zensur.
Auffallend ist, daß Näher die staatlich kontrollierten russischen Medien – in einem Land, das sich im Media Freedom Index der NGO Reporter ohne Grenzen auf Platz 144 von 169 untersuchten Staaten wiederfindet – mit keinem Wort der Kritik bedenkt, hingegen die ARD der „Zensur“ zeiht.
Daß in Putins Russland Oppositionelle schikaniert (wie etwa Garry Kasparov), eingekerkert (wie etwa Michail Chodorkowski) oder gleich ermordet werden (wie etwa Anna Politkowskaja) – all das ist kein Grund für Naschi-Näher, doch einmal seine Begrifflichkeit von Zensur zu hinterfragen.
Des Üblen nicht genug: Zum Zeugen der Anklage beruft der politisch korrekte Medienanalyst ausgerechnet den Blog „Fefe“, für den laut Impressum ein Felix von Leitner verantwortlich zeichnet – dieser teilt die Marschrichtung schon auf der Startseite mit und bittet den Leser um das Zusenden „schöner Verschwörungslinks“.
Daß auch Nähers Zofe Hakimakarima ihre helle Freunde an dem von ihrem Vorgesetzten verlinkten Blog hätte, offenbart folgende Passage, in welcher von Leitner wüste antisemitische Stereotype wiederkäut:
Israel hat eine elegante Methode gefunden, Deutschland ihre Schulden nicht zurückzahlen zu müssen: „Holocaust“. Jetzt soll Deutschland offenbar für die Rentenansprüche von in Israel lebenden Holocaust-Opfern zahlen, denn Israel gibt ihr Geld lieber für Militär, Aufrüstung und Angriffskriege gegen Nachbarländer aus. Ich fände das ja alles nicht so schlimm, wenn die Schulden Israels nicht für Deutsche U-Boote wären, die Israel als Angriffsplattform für ihre Massenvernichtungswaffen haben wollten.
Daß die Juden die Deutschen zum Zwecke pekuniärer Vorteile moralisch erpressen, ist längst Allgemeinwissen linker und rechter Antisemiten – allerdings scheut Näher sich noch, offen zu seinen Ressentiments zu stehen. Gefragt, weshalb er denn auf einen Blog mit offenkundig antisemitischen Inhalten verweist, weicht dieser mit der fadenscheinigen Behauptung aus, er würde nicht jeden Blog vollständig lesen, wenn er auf einen Beitrag verweise, der „einen Sachverhalt weitgehend korrekt“ darstellen würde.
Die naheliegende Frage, ob seine eigene Einschätzung des Sachverhalts vielleicht nicht eher eine Kompatibilität zu den restlichen Inhalten des Fefe-Blogs offenbaren könnte, stellt Näher sich allerdings nicht.
Man darf also gespannt sein, wann „PK“ das erste Mal auf explizite Naziseiten verlinken wird, wenn diese einen Sachverhalt „weitgehend korrekt“ darstellen.




