Verfasst von: gegenkritik | 16, September 2008

Feindaufklärung: Dietmar Näher (3)

Den Auslassungen mancher evangelikaler Christen in den USA kann man durchaus skeptisch gegenüberstehen, zumal dann, wenn sie wie im Falle der Jews for Jesus ihren Schwerpunkt auf die Judenmission setzen.

Reichlich absurd ist hingegen, was der politisch korrekte Antizionist Dietmar Näher nun verzapft: der republikanischen Kandidatin für die Vizepräsidentschaft, Sarah Palin, dichtet er einen Hang zum Antisemitismus an. Nun ist es für sich genommen schon recht amüsant, wenn ein veritabler Antizionist anderen Judenhass vorwirft, die Herleitung aber lässt Nähers Beitrag vollends zur Farce geraten: Palin saß im Publikum (!), als ein Pastor eine in der Tat unappetitliche Rede darüber hielt, daß der palästinensische Terrorismus – wohlgemerkt: derselbe Terrorismus, den Näher und seine Spießgesellen ansonsten zu beschönigen nicht müde werden – eine „Strafe Gottes“ sei.

Wie schon erwähnt, gäbe es an den Ansichten evangelikaler Christen und auch denen Sarah Palins manches zu kritisieren (wie etwa ihre Haltung zur Abtreibung oder gleichgeschlechtlichen Partnerschaften) – der Gipfel der Bigotterie ist es aber, wenn einer Palins Anwesenheit bei einer Rede zum Anlaß nimmt, sie des Antisemitismus zu verdächtigen und gleichzeitig den Messias Barack Obama so sehr verehrt, daß die Identifikation mit diesem sich schon im selbstgewählten Avatarbild des eigenen Forums niederschlägt.

Denn Obama, auf dessen offizieller Wahlkampfseite dazu aufgerufen wird, Juden zu verbrennen, böte deutlich mehr Anlaß zum kritischen Nachfragen: Pastor Jeremiah Wright, der zwanzig Jahre einer seiner engsten Vertrauten war, Obamas Kinder taufte und dessen Ehe traute, betonte in einem Beitrag zu den Terroranschlägen des 11. September unter der Einleitung „The Day of Jerusalem’s Fall“, die USA hätten „Staatsterrorismus“ gegen die Palästinenser unterstützt. Die Trinity United Church of Christ, welcher Obama angehört und deren Chicagoer Sektion Wright leitet, bezeichnet auf ihrer Website [PDF] Israel als „rassistischen Staat“, der übler sei als Südafrika während der Apartheid, an einer „ethnischen Bombe“ bastle die Araber und Schwarze töte und der die Palästinenser schlimmer behandle als die Nazis die Juden.
Erst nach massiver Kritik distanzierte Obama sich halbherzig von seinem langjährigen Freund Wright, der auch schon mal behauptet, die US-Regierung hätte AIDS in die Welt gesetzt, um es gegen die Schwarzen einzusetzen.

Trumpet Obama
Obama gemeinsam mit Louis Farrakhan auf dem Cover der Trumpet, dem von Pastor Wright herausgegeben Magazin der Trinity United Church of Christ.

Enge Beziehungen unterhält Obama auch zum Antisemiten Louis Farrakhan, Führer der rassistischen Organisation Nation of Islam, die sich für eine Trennung von Schwarzen und Weißen einsetzt, sowie dem Terroristen Bill Ayers, dessen Umgang mit der amerikanischen Flagge Näher und Anhang gefallen dürfte.
Zu den außenpolitischen Beratern Obamas gehörte neben der notorisch israelfeindlichen Samantha Power, die gar zu einem militärischen Vorgehen der USA gegen Israel rät, mit Robert Malley ein Fürsprecher der antisemitischen Terrorgruppierung Hamas – folgerichtig hoffen die palästinensischen Terroristen auf einen Sieg Obamas bei den Präsidentschaftswahlen.

Zwar ist Obama in den USA – wo die Bevölkerung anders als hierzulande Israel in der Regel nicht für die Inkarnation des Bösen und größte Bedrohung für den Weltfrieden hält – gezwungen, für die Dauer des Wahlkampfes sich mit antizionistischen Ausbrüchen zurückzuhalten, mitunter platzt es aber dennoch aus ihm heraus: Israel sei eine „Wunde“, ein „Geschwür“, welches die amerikanische Nahostpolitik „infiziere“.
Daß selbst die deutschen Medien mittlerweile Zweifel an Obamas Haltung zu Israel bekommen, spricht angesichts der grassierenden Obamania Bände.

Reichlich Stoff also für eine Thematisierung von Obamas Verhältnis zu Israel und den Juden – das schamhafte Schweigen Nähers über diese Facetten seines Idols speist sich aus dem Wissen, daß allzu offener Judenhass in Deutschland (noch) tabu ist, denn die von Obama angekündigte Unterstützung friedlicher Palästinenser reicht dem passionierten Israelkritiker fürs erste – man versteht schließlich augenzwinkernd, daß nicht alles gesagt werden kann, was gedacht wird.

Nachtrag: Das hatte sich der politisch korrekte Antiamerikaner wohl doch ein wenig anders vorgestellt: Sarah Palin ist nach ihrer fulminanten Rede ausweislich des neuesten Rasmussen Reports bei den Amerikanern beliebter als die Präsidentschaftskandidaten Obama und McCain. Hat man in den USA etwa noch nichts von den sensationellen Recherchen des Dietmar N. aus Stuttgart gehört?


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