Zwei im Abstand von einer Woche abgehaltene Demonstrationen sowie eine dazwischen erschienene Studie gaben kürzlich Auskunft über die Verhältnisse im postnazistischen Staat. Mit einer breiten antirassistischen Volksfront kann hierzulande rechnen, wer für Antisemitismus, Homophobie und Frauenunterdrückung demonstriert, denn in der Parteinahme für den Islam kommen die deutschen Antirassisten zu sich selbst.
Die eine, medial stark beachtete Demonstration brachte als Gegenkundgebung wider den „Antiislamisierungskongress“ der rechtsradikalen Wählergemeinschaft pro Köln vom CDU-Oberbürgermeister Fritz Schramma, über Jusos, Antifagruppen, Gewerkschaften, abgehalfterte Deutschrocker, Kirchengemeinde, apolitische Eventsüchtige und fromme Moslems das gesamte gesellschaftliche Spektrum auf die Straße, um eine Machtübernahme der Rechten in letzter Sekunde abzuwehren, was aufgrund der schieren Anzahl und der unverhohlenen Gewaltbereitschaft dieser solcherart konstituierten Volksgemeinschaft auch gelang: mit Verweis auf die „allgemeine Sicherheitslage“ verbot die Polizei letztendlich den Kongress, was wiederum bei manchen Staatsrechtlern und Publizisten Stirnrunzeln hervorrief.
Die andere Demonstration trug eine Woche darauf in Berlin sich zu: seit Ayatollah Khomeini 1979 den letzten Freitag des Ramadan als „Al-Quds-Tag“ zur Pflichtmanifestation für die Zerstörung Israels erklärte, versammeln sich zu diesem Datum alljährlich auch in westlichen Ländern allerlei Islamisten zum friedlichen Vernichtungsspektakel wider die zionistische Entität.

Friedliche Demonstranten rufen zur Vernichtung Israels auf: „Al-Quds-Tag“ in Berlin, 27.09.2008.*
In zeitlicher Nähe dazu veröffentlichte das Pew Research Center eine großangelegte Studie [PDF], in der man zu dem Schluß kam, 50% der Deutschen hegten negative Einstellungen gegenüber Muslimen, wohingegen lediglich 25% sich negativ gegenüber Juden äußerten. Dies schien jene vor allem in linken Kreise beliebte These zu bestätigen, wonach der Antisemitismus ein viel geringeres gesellschaftliches Problem sei als die allenthalben anzutreffende „Islamophobie“.
Manuel Frischberg erklärte in seinen Anmerkungen** zur Genese dieses Kampfbegriffs, weshalb gerade im postnazistischen Deutschland das Konzept Islamophobie so erfolgreich verfängt:
Unverkennbar ist hier das Bemühen, der nun wieder „selbstbewussten Nation“ Normalität zu attestieren und den deutschen Antisemitismus unter ferner liefen einzuordnen. Er gilt als veraltete Spielart jenes „Potentials der Ablehnung von Minderheiten“, dessen gegenwärtiger Ausdruck nun der „Antiislamismus“ sei. In den 1990er Jahren lautete die gängige Redewendung, die Türken seien die Juden von heute. Spätestens in diesem Zusammenhang tauchte die Wortschöpfung „Antiislamismus“ auf, die weniger verschämt als der Begriff „Islamophobie“ das Bestreben nach Nivellierung des Antisemitismus offen legt.
Deshalb erregte Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, mit seinen Äußerungen auch keinen Widerspruch, als er im Vorfeld des gescheiterten „Antiislamkongresses“ im Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger kundtat, daß die Rassisten um pro Köln ihren Antisemitismus hinter „islamfeindlichen Parolen“ versteckten – dieser angedeutete Paradigmenwechsel, der Antisemitismus würde im Gewand der „Islamfeindlichkeit“ auf die Muslime übergehen und sei letzthin nur eine Spielart des Rassismus, nur diffuse Antipathie gegens Fremde und die Objekte der pathischen Projektion jederzeit austauschbar, entsorgt nicht nur die deutsche Vergangenheit (und Gegenwart), sondern negiert in letzter Konsequenz auch den dem Islam immanenten tatsächlichen Antisemitismus und modelt dessen Anhänger zu Opfern eines begriffslosen Schein-Antisemitismus um.

„Meinungsfreiheit für Zionismusforscher und Gegner Israels“ – einige beherzte „Zionismusforscher“ mussten von ihren frommen Kameraden und der Polizei an allzu praktischer „Israelkritik“ gehindert werden
Die Pew-Studie, der zufolge 38% der Deutschen Muslime eher negativ und 12% diese sehr negativ sähen, trifft denn auch keinerlei Aussagen über Zusammenhänge zwischen dieser Abneigung und dem in Deutschland auch verbreiteten Rassismus, der sich gegen Menschen türkischer oder arabischer Herkunft – welche die Mehrzahl der hiesigen Anhänger des Islam ausmachen – richtet, obschon zu vermuten ist, daß beides in eins fällt und eben kein spezifischer, gegen den Islam gerichteter Rassismus existiert. Zu einem ähnlichen (Fehl)Schluß wie die Verantwortlichen des Pew Research Centers kam vor einiger Zeit auch der deutsche Soziologe Wilhelm Heitmeyer, dessen Studie*** Deutsche Zustände [DOC] ebenso eine „Islamophobie“ als Rassismus auszumachen versuchte und der zur Einebnung der Unterschiede zwischen realem Rassismus und Antisemitismus den Begriff der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ erfand, welcher die Marschrichtung – Unterbindung jeglicher Islamkritik und Verwässerung einer Kritik des Antisemitismus – schon vorgibt.
Die Ungeheuerlichkeit und Absurdität der Gleichsetzung von Antisemitismus und des auf die iranischen Mullahs zurückgehenden Kampfbegriffes der Islamophobie offenbart sich eindrucksvoll in Köln, wo eine tatsächliche Volksfront nicht nur gegen pro Köln auf die Barrikaden ging, sondern auch dezidiert für den Islam Partei ergriff: die Stadtoberen luden den bekannten Publizisten Ralph Giordano – obwohl selbst Kölner – aufgrund dessen islamkritischer Haltung erst gar nicht zu ihrer Veranstaltung ein, die mit Giordano am Samstag auf einer kleinen Veranstaltung auftretende Exiliranerin Mina Ahadi vom Zentralrat der Ex-Muslime wurde von deutschen Volksfrontlerinnen als „Rassistin“ beschimpft und Verteiler des Flugblatts „Mit Islamismus gegen die Aufklärung“ der Aktion 3. Welt Saar vom pöbelnden Mob angegangen***, kurzum: Kritik an islamischen Zumutungen war an diesem Wochenende durch Volkes Zorn untersagt und Zuwiderhandelnde konnten ihrer körperlichen Unversehrtheit nicht sicher sein.
Während also die islamfaschistische DITIB als Bauherrin eines Moscheekomplexes, der für die Konservierung von Zuständen garantiert, in denen Frauen zwangsverheiratet und unters Kopftuch gezwungen werden und Homophobie sowie Antisemitismus prächtig gedeihen, von jeder Kritik ausgenommen wird, zeigt man sich in Köln weniger großzügig, wenn es um Bauten mit Bezug zur jüdischen Kultur geht und eine antisemitische Dauer-Manifestation direkt vor dem Kölner Dom vermag nicht einen Bruchteil der Menschenmassen zur kritischen Intervention zu bewegen wie der „Antiislamisierungskongress“.
Entlarvte schon die Reaktion auf die vor einigen Wochen in Berlin stattgefundene Demonstration der NPD gegen den Bau zweier Hindutempel, als sich lediglich einige hundert der üblichen Verdächtigen aus dem Antifaspektrum zur Gegenkundgebung versammelten, daß nicht jede Religion zum Aufhänger für Volksfrontspektakel sich eignet, der real existierende Islam also eine unheimliche Faszination auf die Volksgenossen ausübt, so war nach der Demonstration gegen den „Al-Quds-Tag“ in Berlin die Sachlage klar: obwohl die Veranstalter der Gegendemonstration im Aufruf sorgfältig darauf achteten, den Islam mit keinem bösen Wort zu bedenken und Religionen per se aus der Kritik zu nehmen, obwohl zu den Unterzeichnern des Aufrufes auch Leute wie Petra Pau, Bodo Ramelow und Gregor Gysi gehörten, die, nähmen sie ihre Kritik am Antizionismus ernst, als erste Konsequenz ihr Parteibuch abzugeben hätten und obwohl der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck sich explizit an die Muslime wandte, an der Gegenkundgebung teilzunehmen, waren es lediglich 150 Personen, die sich der antisemitischen Zusammenrottung entgegenstellten.
Volksfronten richten sich in Deutschland eben von jeher nicht gegen Antisemitismus.

*Sämtliche Fotos von Simon P., herzlichen Dank hierfür
**Frischberg, Manuel: Das Konzept Islamophobie als Abwehr westlicher Zumutungen. Zur Genese eines Kampfbegriffs. In: Grigat, Stephan (Hrsg.): Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus. Freiburg 2006 S. 165f.
***Besten Dank für die Hinweise an Lizas Welt





Was sind Sie eine Heulsuse.
Von: Anonym am 13, Oktober 2008
um 1:13