Verfasst von: Woopaa | 17, März 2009

Feindbild Bagger

Kwak 3

Es gibt Serien für Kinder, von denen nicht wenige Eltern meinen, diese wären besonders wertvoll. Wertvoll deshalb, weil man meint, die Kinder würden eine Menge an ihnen lernen. Als krassen Gegensatz dazu nennen gemeinhin sich als ökologisch, pazifistisch oder einfach irgendwie links verstehende Eltern gerne irgendwelche Trickfilme und Kinderserien meist amerikanischer und gelegentlich auch japanischer Herkunft, von denen sie meinen zu wissen, dass sich diese voll von Gewalt, Hektik und Oberflächlichkeit negativ auf die Entwicklung ihrer Kinder auswirken würden und es durch sie nichts zu lernen gäbe.

Während Eltern aus dem Biobürgertum meist all jenes verteufeln, was im Programm von RTL 2, ProSieben oder anderen Privatsendern zu sehen ist, schätzt man, sofern man es seinen Kindern nicht total untersagt fernzusehen, das Kinderprogramm des öffentlich-rechtlichen Staatsfernsehens. Insbesondere mehr oder weniger ökologische Themen aufgreifende Serien wie „Löwenzahn“, „Als die Tiere den Wald verließen“ oder „Alfred J. Kwak“ haben es den um ihre Kinder besorgten Biopapas und Ökomamas besonders angetan.
Gerade die beiden letztgenannten Zeichentrickserien weisen dabei viele Ähnlichkeiten auf. In beiden Serien wird schon zu Beginn mehr als deutlich, wer bzw. was als das „Böse“ schlechthin zu gelten hat. Als quasi Ursünde gilt jeweils die Vertreibung aus der Heimat. Während in der einen Serie, deren Name Programm ist, Tiere aller Arten ihr harmonisches Miteinander im Thalerwald aufzugeben haben, weil Menschen mit Baggern und anderen Maschinen diesen zerstören, sind es bei „Alfred J. Kwak“ Zylinder tragende Bilderbuch-Kapitalisten, die als Bauherren eines Vergnügungsparks die Entenfamilie Kwak samt ihres kurz zuvor geschlüpften Nachwuchses aus der idyllisierten Fluss- und Wiesenlandschaft Großwasserlands vertreiben.
Und als ob das noch nicht genug des schrecklichen Beginns wäre, verunglückt kurz darauf auch noch die gesamte Familie, bis auf Alfred und den Maulwurf Henk, auf der Flucht bei einem Autounfall tödlich. Im Auto saßen übrigens eben jene, sich in großer Eile befindenden Bauunternehmer.

Alfred Bauherren

Schon die ersten zwei Folgen von Alfred dürften jene ökologisch orientierten Eltern also als sehr lehrreich empfinden. Heimat und Natur – gut –, Vergnügungsparks und Autos, ergo Technik und Fortschritt – tödlich.
Insbesondere kapitalistische Ausbeutung von Tier und Natur wird in einem Großteil der 52 Folgen thematisiert. Das Schema ist dabei fast immer gleich. Es wird meist sehr strikt zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten unterschieden. In der Episode „Skrupellose Geschäfte“ und den folgenden z. B. bekämpfen Alfred und seine Freunde den Bürgermeister Rokodil und seine vom Wissenschaftler Hannibal entwickelten Schiffe, welche eine Optimierung des Fischfangs ermöglichen sollen. Alfred schlägt sich hier wie auch sonst immer auf die Seite der vermeintlich Unterdrückten und Ausgebeuteten. Er solidarisiert sich sowohl mit den um ihre Lebensgrundlage beraubten, einfachen Fischern, als auch mit den Fischen selbst. Gemeinsam kämpfen alle gegen das raffgierige Krokodil mit der freundlichen Unterstützung eines Sägefisches und einiger Wale, die extra vom Südpol herbeigeholt werden, um den Hafen zu blockieren. Als letztendlich das hypermoderne Fangschiff in Flammen aufgeht, herrscht große Freude und Erleichterung bei allen an der subversiven Aktion Beteiligten.
Kein Wunder also, dass sich bei solch hochideologischem Stoff in Rotation insbesondere NGOs wie Greenpeace, PETA oder andere ökologisch orientierte Zusammenschlüsse wenig um immer neuen Nachwuchs sorgen müssen.
Aber nicht nur diese brauchen ob solcher Serien ausbleibende Sympathien wenig fürchten, auch Diktatoren aller Herren Länder haben wohl eher geringen Gegenwind zu erwarten, schließlich dürften pazifistisch gepolte Ex-Konsumenten solch niedlichen TV-Schunds eines immer kategorisch ausschließen: die militärische Intervention. Immerhin hat auch Alfred alle Probleme mit nur ein wenig gutem Willen und friedlichem Engagement lösen können.
So könnte übrigens auch jene Theatergruppe aus dem beschaulichen Ludwigshafen gedacht haben, welche im Herbst letzten Jahres mit Genehmigung des Erfinders der Ente, dem in Deutschland Hallen füllenden Liedermacher Hermann van Veen, nach Isfahan in den Iran reiste, um mit dessen Theaterstück über diesen kleinen Weltverbesserer beim Internationalen Kinder- und Jugendtheaterfestival aufzutreten. Nicht, dass man van Veen nicht zugestehen könnte, dass er es nicht gut meinen würde, aber sind seine Ansichten zum Konflikt zwischen Iran und Israel an Naivität kaum mehr zu übertreffen, wenn er z. B. auf seinem Blog von irgendwelchen Versöhnungsgesprächen, die Frau Merkel organisieren solle, faselt oder er sich darüber echauffiert, warum der Iran nicht dasselbe dürfe wie die USA.

Zu weiteren Episoden dieser Serie, in denen u.a. Nationalsozialismus, Apartheid oder der Nahostkonflikt behandelt werden, beizeiten mehr.


Antworten

  1. . . . das ist Beihilfe zum völkischen Bürgerkrieg, unter Ausnutzung realer Konflikte um natürliche Ressourcen !
    Aber : Wir müssen auch wegen der Mitfinanzierung des Djihads massenhaft und schrittweise aus der Erdöl-, Erdgazprom- , aber auch Uran- und Kohle-Abhängigkeit heraus !

    Dazu gibt es Zwischenstufenprodukte, die sich fast jeder leisten kann für Haus und Auto, bis denn dann aber wann die umfassenderen Lösungen „kommen“; zB.
    ein nur mit Wasser zu betankendes Auto, dessen Prototypen von 2 europäischen Firmen irgendwie verschwunden sind, – auch aus dem öffentlichen Bewußtsein !

    Um dies zu erreichen müssen die entsprechenden Erfindungen und Patente, kurz gesagt, befreit werden !
    Massenhafte Nutzung der nur wenige oder wenige Dutzend Mark/ $ / EUro kostenden Mittel zur sofortigen Verbrennungs-Effektivierung ( Einsparung 10 – 35 % ) würden jedoch sofort den ökologischen, politischen, finanziellen und Job-schaffenden 4-fach-Effekt haben !
    Näheres bitte unter [Schnippschnapp]

    H²O tanken gegen den „völkischen Bürgerkrieg“ – Henryk M. Broder hat schon recht.

    gegenkritik

  2. Apartheid oder der Nahostkonflikt in my Alfred J.Kwak? It may be more likely than you think?!

    Wat? Echt jetzt? Ich bin gespannt. :D


Einen Kommentar hinterlassen

Ihre Antwort:

Kategorien