Im Zuge der antisemitischen Massenaufläufe während des Gazakrieges kam es zu einem Zwischenfall, der nachgerade als Symbol für die Zustände im postnazistischen Lande gelten kann: Während einer Demonstration tausender Hamasanhänger am 10. Januar in Duisburg hängte ein Pärchen als Zeichen der Solidarität mit dem jüdischen Staat zwei israelische Fahnen ins Fenster seiner Wohnung, welche von herbeistürmenden Polizisten heruntergerissen worden.

Obschon dem Befreiungskampf des palästinensischen Volkes hierzulande reichlich Sympathien entgegengebracht werden und deutsche Politiker kaum eine Gelegenheit zur Maßregelung Israels auslassen, war das Herunterreißen einer israelischen Fahne durch die Staatsmacht dann doch eine Spur zu eindeutig, da sie das Gerede von der besonderen Verantwortung des Staates der Täter für den Staat der Davongekommenen als hohle Phrase entlarvte. Nachdem der Vorfall auch international hohe Wellen schlug, versuchte die deutsche Politik sich in Schadensbegrenzung: der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf kündigte die Prüfung eines Disziplinarverfahrens an, der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach forderte dienstrechtliche Konsequenzen und dessen grüner Kollege Jerzy Montag gar eine Stellungnahme des Ministerpräsidenten.
Indes war schnell klar, daß die Angelegenheit wie in Deutschland üblich abgehandelt werden würde: Kurze Aufregung, Diffamierung, Schweigen.
Dem israelsolidarischen Pärchen wurde zunächst vorgeworfen, der deutschen Sache eher weniger verbunden zu sein, zudem konnte bewiesen werden, daß es sich beim männlichen Part um einen Wiederholungstäter handelte: so gab dieser im Verhör mit Spiegel Online frank und frei zu, bereits mehrmals öffentlich mit der Fahne des Judenstaates provoziert zu haben, unter anderem auch am Holocaustgedenktag, jenem für die Feierlichkeiten zur Wiedergutwerdung der deutschen Nation reserviertem Datum.
Nachdem ein Vierteljahr ins Land gezogen war, kam – nicht gänzlich unerwartet – ein vom Innenministerium bestelltes Gutachten zu dem Schluß, daß die Polizeibeamten vollkommen rechtmäßig gehandelt hätten, allerdings mochte keiner der Politiker, die zuvor so lauthals „Skandal“ gerufen hatten, Stellung beziehen, was wiederum Frank Richter, den Chef der Polizeigewerkschaft NRW auf die Palme brachte, der gar eine Entschuldigung bei den Beamten forderte.
Vermutlich fehlt es dem Mann ganz einfach an einer politischen Weitsicht, die über die Landesgrenzen Nordrhein-Westfalens hinausreicht, andernfalls hätte er wohl begriffen, daß hierzulande zwar vieles angedeutet, aber eben noch nicht alles gänzlich ungeniert geäußert werden kann, solange Israel – aufgrund der Präsenz der Alliierten in der Welt – von Deutschland noch nicht offen zum Feindstaat erklärt werden kann.
Diese Zwänge zu einem gewissen Maß an Rücksichtnahme, welchen deutsche Politiker einstweilen dann doch noch ausgesetzt sind, existieren in den antisemitischen Jauchegruben des Internets hingegen nicht mehr.
Hier, wo Volkes Zorn ungestört ertönen kann, hat man sich von den lästigen Konditionen, die das Ticket für die Wiederaufnahme Deutschlands in die Staatengemeinschaft bilden, längst befreit und offenbart ganz hemmungslos, wozu man bereit ist.
Einer, dem der jüdische Staat schlaflose Nächte bereitet und über den an dieser Stelle schon mehrfach berichtet wurde, hat – vermutlich exemplarisch für die meisten seiner Volksgenossen – seiner Genugtuung über das Untersuchungsergebnis Ausdruck verliehen: „Die Polizei hat in diesem Fall auch aus meiner Sicht rechtmäßig gehandelt. Denn primäre Aufgabe der Polizisten war am 10. Januar, die aufgeheizte Stimmung nicht in Gewalt umschlagen zu lassen. Kritik muss sich vielmehr gefallen lassen, wer nur um der reinen Provokation willen eine bis dahin friedliche Demonstration eskalieren lassen wollte. Das gilt selbstverständlich auch für die Kundgebungsteilnehmer, die sich durch zwei Israelfahnen völlig unnötig provozieren ließen. Denn es muss genauso klar sein, dass das unter keinen Umständen eine Rechtfertigung für Gewalt gegen Sachen oder Personen sein kann.“

Daß die Fahne des jüdischen Staates eine nicht hinnehmbare Provokation darstellt – darin ist sich Dietmar Näher mit den Antisemiten auf der von der Islamistenvereinigung Milli Görus organisierten Demonstration jedenfalls einig, denn schließlich verlief die Demonstration bis dahin vollkommen friedlich.
Gänzlich unkritisiert mag Näher die friedlichen Antisemiten dennoch nicht davonkommen lassen: So hat er für deren islamisch konnotierten Judenhass zwar tiefstes Verständnis, allerdings missfällt ihm die Art und Weise, wie die Demonstranten diesen ausleben, nämlich im spontanen Ausbruch des gewalttätigen Mobs.
Derartige Pogrome, seien sie auch noch so gerechtfertigt, sind einem echten Deutschen fremd, denn im unorganisierten Losschlagen steckt noch der aus dieser Aktion gewonnene sadistische Lustgewinn für das antisemitische Individuum.
Weil aber das Vorgehen gegen den Weltfeind und seine Symbole volksgemeinschaftlicher Auftrag ist, an dessen Ausführung der Einzelne sich nicht emotional zu bereichern hat, sind für diesen Vollzug immer noch die staatlichen Exekutivorgane zuständig, weshalb Näher voll des Lobs ist für das Eintreten der Wohnungstür und Herunterreißen der israelischen Flagge durch die Polizeibeamten, die ihre Arbeit gründlich, gewissenhaft und ohne unnötige Brutalität verrichteten.
Als Wahlspruch anlässlich der Umgestaltung seiner Website gab Näher sich übrigens eine Abwandlung des bekannten Zitats Carl von Clausewitz’: „Bloggen ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“, was wohl witzig daherkommen sollte. Daß er damit unfreiwillig die Zustände in Deutschland treffend beschrieb, dürfte ihm indes nicht aufgegangen sein.





Inzwischen hat Dietmar Näher des Slogan seines Blogs von „Bloggen ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ in „Yes! We! Can!“ abgewandelt.
Fragt sich nur noch, was.
Von: Ramona am 13, Mai 2009
um 4:52
Bilder von der Demo gibt es hier:
http://prozionnrw.wordpress.com/2009/02/02/samstag-ist-selbstmord-%e2%80%93-duisburg-erneut-aufmarschgebiet-der-hamas/
Von: Pro Zion NRW am 17, Mai 2009
um 11:39
Das Bild mit den Pumas stammt aber leider nicht aus Duisburg?
Ernsthaft: Danke für die Ergänzung.
Von: gegenkritik am 17, Mai 2009
um 1:17
Sagen wir mal so, an den Panzern arbeiten wir noch :-).
Gruß
PZNRW
Von: Pro Zion NRW am 18, Mai 2009
um 3:35
Ich drücke jedenfalls die Daumen.
Gruß,
gk
Von: gegenkritik am 18, Mai 2009
um 4:31
Ramona,
Das speist sich bei dem aus der Hoffnung, Obama würde zur Selbstauflösung der USA beitragen. Irgendwann wird er merken, daß dem nicht so ist und der Spruch verschwindet.
Von: gegenkritik am 18, Mai 2009
um 4:35
[...] Mai 2009 · Keine Kommentare Irgendwie kommt es einem doch etwas widersprüchlich vor, wie manch einer sich beim Umgang mit Islamisten einen Staat wünscht, der Rückgrat zeigt, wenn es um die Israel- [...]
Von: Wo ist der Widerspruch versteckt? « Neues Und Bekanntes am 23, Mai 2009
um 9:37