Verfasst von: gegenkritik | 6, Mai 2009

Intifada und deutsche Gründlichkeit

Im Zuge der antisemitischen Massenaufläufe während des Gazakrieges kam es zu einem Zwischenfall, der nachgerade als Symbol für die Zustände im postnazistischen Lande gelten kann: Während einer Demonstration tausender Hamasanhänger am 10. Januar in Duisburg hängte ein Pärchen als Zeichen der Solidarität mit dem jüdischen Staat zwei israelische Fahnen ins Fenster seiner Wohnung, welche von herbeistürmenden Polizisten heruntergerissen worden.

Israel Flagge Duisburg

Obschon dem Befreiungskampf des palästinensischen Volkes hierzulande reichlich Sympathien entgegengebracht werden und deutsche Politiker kaum eine Gelegenheit zur Maßregelung Israels auslassen, war das Herunterreißen einer israelischen Fahne durch die Staatsmacht dann doch eine Spur zu eindeutig, da sie das Gerede von der besonderen Verantwortung des Staates der Täter für den Staat der Davongekommenen als hohle Phrase entlarvte. Nachdem der Vorfall auch international hohe Wellen schlug, versuchte die deutsche Politik sich in Schadensbegrenzung: der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf kündigte die Prüfung eines Disziplinarverfahrens an, der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach forderte dienstrechtliche Konsequenzen und dessen grüner Kollege Jerzy Montag gar eine Stellungnahme des Ministerpräsidenten.
Indes war schnell klar, daß die Angelegenheit wie in Deutschland üblich abgehandelt werden würde: Kurze Aufregung, Diffamierung, Schweigen.
Dem israelsolidarischen Pärchen wurde zunächst vorgeworfen, der deutschen Sache eher weniger verbunden zu sein, zudem konnte bewiesen werden, daß es sich beim männlichen Part um einen Wiederholungstäter handelte: so gab dieser im Verhör mit Spiegel Online frank und frei zu, bereits mehrmals öffentlich mit der Fahne des Judenstaates provoziert zu haben, unter anderem auch am Holocaustgedenktag, jenem für die Feierlichkeiten zur Wiedergutwerdung der deutschen Nation reserviertem Datum.
Nachdem ein Vierteljahr ins Land gezogen war, kam – nicht gänzlich unerwartet – ein vom Innenministerium bestelltes Gutachten zu dem Schluß, daß die Polizeibeamten vollkommen rechtmäßig gehandelt hätten, allerdings mochte keiner der Politiker, die zuvor so lauthals „Skandal“ gerufen hatten, Stellung beziehen, was wiederum Frank Richter, den Chef der Polizeigewerkschaft NRW auf die Palme brachte, der gar eine Entschuldigung bei den Beamten forderte.
Vermutlich fehlt es dem Mann ganz einfach an einer politischen Weitsicht, die über die Landesgrenzen Nordrhein-Westfalens hinausreicht, andernfalls hätte er wohl begriffen, daß hierzulande zwar vieles angedeutet, aber eben noch nicht alles gänzlich ungeniert geäußert werden kann, solange Israel – aufgrund der Präsenz der Alliierten in der Welt – von Deutschland noch nicht offen zum Feindstaat erklärt werden kann.
Diese Zwänge zu einem gewissen Maß an Rücksichtnahme, welchen deutsche Politiker einstweilen dann doch noch ausgesetzt sind, existieren in den antisemitischen Jauchegruben des Internets hingegen nicht mehr.
Hier, wo Volkes Zorn ungestört ertönen kann, hat man sich von den lästigen Konditionen, die das Ticket für die Wiederaufnahme Deutschlands in die Staatengemeinschaft bilden, längst befreit und offenbart ganz hemmungslos, wozu man bereit ist.
Einer, dem der jüdische Staat schlaflose Nächte bereitet und über den an dieser Stelle schon mehrfach berichtet wurde, hat – vermutlich exemplarisch für die meisten seiner Volksgenossen – seiner Genugtuung über das Untersuchungsergebnis Ausdruck verliehen: „Die Polizei hat in diesem Fall auch aus meiner Sicht rechtmäßig gehandelt. Denn primäre Aufgabe der Polizisten war am 10. Januar, die aufgeheizte Stimmung nicht in Gewalt umschlagen zu lassen. Kritik muss sich vielmehr gefallen lassen, wer nur um der reinen Provokation willen eine bis dahin friedliche Demonstration eskalieren lassen wollte. Das gilt selbstverständlich auch für die Kundgebungsteilnehmer, die sich durch zwei Israelfahnen völlig unnötig provozieren ließen. Denn es muss genauso klar sein, dass das unter keinen Umständen eine Rechtfertigung für Gewalt gegen Sachen oder Personen sein kann.“

Israel Flagge Duisburg

Daß die Fahne des jüdischen Staates eine nicht hinnehmbare Provokation darstellt – darin ist sich Dietmar Näher mit den Antisemiten auf der von der Islamistenvereinigung Milli Görus organisierten Demonstration jedenfalls einig, denn schließlich verlief die Demonstration bis dahin vollkommen friedlich.
Gänzlich unkritisiert mag Näher die friedlichen Antisemiten dennoch nicht davonkommen lassen: So hat er für deren islamisch konnotierten Judenhass zwar tiefstes Verständnis, allerdings missfällt ihm die Art und Weise, wie die Demonstranten diesen ausleben, nämlich im spontanen Ausbruch des gewalttätigen Mobs.
Derartige Pogrome, seien sie auch noch so gerechtfertigt, sind einem echten Deutschen fremd, denn im unorganisierten Losschlagen steckt noch der aus dieser Aktion gewonnene sadistische Lustgewinn für das antisemitische Individuum.
Weil aber das Vorgehen gegen den Weltfeind und seine Symbole volksgemeinschaftlicher Auftrag ist, an dessen Ausführung der Einzelne sich nicht emotional zu bereichern hat, sind für diesen Vollzug immer noch die staatlichen Exekutivorgane zuständig, weshalb Näher voll des Lobs ist für das Eintreten der Wohnungstür und Herunterreißen der israelischen Flagge durch die Polizeibeamten, die ihre Arbeit gründlich, gewissenhaft und ohne unnötige Brutalität verrichteten.

Als Wahlspruch anlässlich der Umgestaltung seiner Website gab Näher sich übrigens eine Abwandlung des bekannten Zitats Carl von Clausewitz’: „Bloggen ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“, was wohl witzig daherkommen sollte. Daß er damit unfreiwillig die Zustände in Deutschland treffend beschrieb, dürfte ihm indes nicht aufgegangen sein.

Verfasst von: gegenkritik | 27, April 2009

German conditions

Recently, there has been a major confrontation in the American blogosphere with Charles Johnson’s Little Green Footballs on the one and Robert Spencer’s Jihad Watch as well as Pamela Geller’s Atlas Shrugs on the other side, regarding the repetition of the „Anti-Islamization-congress“, hosted by the small far right group pro-Köln, which announced Spencer and Geller as speakers at their meeting.

LGF

Without any doubt, it was due to Johnson’s accurate and highly appreciated research and coverage about pro-Köln (1, 2, 3, 4, 5), that Spencer and Geller finally retracted their written agreements to attend the conference – it is ridiculous that both are still defending pro-Köln, when it would be the perfect moment to apologize to Johnson and cut off all ties to right-wing extremist, fascistic or racist groups.
Apart from that, some other things have to be clarified. Besides the fact that pro Köln’s own positions as well as their connections to Germany’s Neonazi-scene are repulsive and unacceptable, it is important to keep their actual political relevance at the back of one’s mind: today, they hold five seats at Cologne’s city council (due to their 4,7% of voters) and lack a real political basis, since they have just a few hundred, not really active members.
There is a strong enmity towards pro-Köln and similar groups in Germany’s „civil society“, which would not be bad at all, if this enmity would not be constitutive for a slightly different form of the specific German national collective, the Volksgemeinschaft.
After the military defeat, National Socialism, due to its unimaginable atrocities, is widely discredited within the German political landscape, openly referring to the ideas of NS is not just forbidden by law, but a cultural taboo and breaking it will result in political isolation. Nonetheless, constitutive elements of the Volksgemeinschaft are still very present in the post-nazi state, but have run through transformation-processes.
One of the main pillars in Germany’s foreign-policy is a nasty hostility towards America, which is deep-rooted in German culture. This anti-Americanism was – at least in official foreign-policy – less aggressive in West Germany, where the NATO was the only security in the era of the Cold War. This was also the case with Israel, to which the diplomatical ties were something like the precondition for Germany’s re-entrance into the community of civilized nations.
Though, anti-Semitism, while officially a taboo, was very virulent in German society, especially among the so called 68er-Bewegung, who transformed the traditional resentment into modern anti-Zionism, calling Israel (and the USA alike) the new Nazi-state, thus liberating themselves of the own past and projecting the resentment on the state of the survivors as well as on the military victor over Nazi-Germany. Henceforth, the Palestinians have been „adopted“ as the victims of the victims and Germans from everywhere of the political spectrum are participating in critizising Israel. Of course, everyone of these good Germans, who have learned from their past, would reject the accusation of anti-Semitism indignantly – since they are all against Neonazis and rightwing-extremists, even demonstrating against pro-Köln and thereby courageously preventing a new Machtergreifung.

Baby Killer Israil
Slogan of an anti-Israel demonstration in Duisburg. 65% of Germans hallucinate Israel as the biggest danger for world peace.

It is no coincidence, that many Germans have a special sympathy for Islam and jihadist-rackets, as it is the perfect religion to oppose everything they hate: individuality, freedom, capitalism. That’s why, a critique of Islam as an ideology is seldom to be found in Germany, even more, since rightwing-extremists as pro-Köln and likewise creeps declare themselves as „Islam-critics“, which is an outrageous lie: those who can’t distinguish between Osama bin Laden and ordinary Muslims, and endorses a mass-deportation of islamic population, are not good for being a pundit, since they do not care at all about victims of islamic socialization, which are predominantly Muslims – especially women, dissidents and homosexuals – themselves.

That said, one should take a look at David Vickrey’s article about the aforementioned confrontation of LGF and Jihadwatch/AtlasShrugs.
The sources he is thanking for their contribution, are Dietmar Näher’s blog Politisch Korrekt and Dagmar Schatz, known in the blogosphere under her pen name „Big Berta“. Näher’s website is basically a watchblog for Politically Incorrect, dealing with the numerous errors and often racist undertone in their coverage. But unlike PI, Näher’s blog is blatantly anti-Israel, impliedly comparing Israel with Nazi-Germany, defending the Palestinian „right to resist“ and, when being critizised, returning to an equidistant position, blaming Israel and the Palestinians likewise, while at the attached forum, his followers are openly promoting the destruction of Israel.
The other source, Dagmar Schatz, who is a Muslim-convert and medic at the Bundeswehr, is not only a friend of Dietmar Näher and regular user at his forum, but also a regulary contributor for one of the most vicious anti-Semitic hate-sites among the German left: at Duckhome, you can learn that Barack Obama is planning to raid Iran, that he is a tool of the Zionist-lobby, that Israel will soon stop to exist and that the Jews should stop lamenting about the Holocaust and blackmailing the German Goverment.

Israel demonstration in Berlin
Pro-Israel demonstration in Berlin during the Gaza war with some hundred people. Even at those rare events, the invited speakers questioned the legitimacy of Israel’s reaction.

To prove that Israel and the Jews are truly evil, Duckhome-owner Jochen Hoff is linking and citing from an American website: TBRNews.com, a Holocaust-denial website, which is an offset of The Barnes Review, named for Harry Elmar Barnes.
In the comment-section, various people are critizising Hoff for linking to a site that denies the Holocaust, but Hoff is replying, that those people (TBRNews) have simply a „different opinion on certain things“, other than those that „the System“ allows. Dagmar Schatz, who is so proud of demonstrating against pro-Köln, is defending Hoff without saying a single word of critic that he is defending Holocaust-deniers.
The example of Näher – who is member of the Green Party – and Schatz gives an impression, what German political reality looks like.
If you need a more visual one, take a look at the recommend blog Zombietime, where you can find an excellent article about demonstrations – among them the ones in Germany – during the Gaza war. You may also want to watch this video, where a small group of youths, waving Israeli flags and chanting „Long live Israel!“ has to be protected by several cops.
As a conclusion: there are simply no political parties in Germany, which one should consider to support, especially not rightwing-extremists like pro-Köln. But it is also absolutely false to rely on those, who purport to be pro-Köln’s opponents, while only reproducing German continuousness.

Verfasst von: gegenkritik | 17, April 2009

Wider Hochfinanz und Denunzianten

Es war ein vielsagendes Schauspiel: nachdem auf dem Weblog Lizas Welt die vom Verschwörungsglauben an Hochfinanz und Geldelite geleiteten Umtriebe des Börsianers Michael Mross und seiner Gastschreiber auf dessen Internetportal MMNews durchleuchtet wurden, brach auf der Internetpräsenz des liberal sich dünkenden Magazins eigentümlich frei ein Sturm der Entrüstung los: „Anti-“Faschisten: Menschen in ihrer Existenz vernichten! war das Pamphlet des ef-Schreibers Guido Neumann überschrieben, der sich ausmalte, wie Lizas Welt Michael Mross in den Rücken schießt, den Börsenexperten zum Abschuss freigab, den Häschern des Systems zur Hand geht, um schließlich beim Abtransport der von ihm Denunzierten zuzusehen, ganz wie’s unter Hitler, Mao und Stalin der Fall war.
Der da, von jedem auf die Kritik an MMNews bezugnehmendem Argument befreit, seine Verfolgungs- und Vernichtungsphantasien, garniert mit einer Prise Totalitarismustheorie für ganz Simple feilbot, brauchte nicht lange auf Schützenhilfe warten: dem Ruf nach Outing des feigen faschistoiden Denunzianten folgten im Kommentarbereich von Neumanns Artikel nebst and’ren obskuren Gestalten sowohl der misogyne Islamfreund Arne Hoffmann als auch der professionelle Hamasapologet Serdar Günes, dessen nebenberufliche Agitation gegen Israel ganz trefflich mit seiner hauptberuflichen Lehre von der Religion des Friedens einhergeht, und der zwecks vermeintlicher Enttarnung des anonymen Antisemitismuskritikers auf die Seite eines verhinderten Dortmunder Künstlers verwies, dessen Website in Form und Gestaltung dem hässlichen Inhalt folgt.
Bei dieser Chose konnte selbstredend ein Gesinnungskamerad Arendts und Günes’ nicht hintanstehen, weshalb der Stralsunder Neonazi Axel Möller, Betreiber der rechtsextremen Weltnetzseite Altermedia – auf welcher auch MMNews-Autor Hans-Jörg Müllenmeister mit antiamerikanischen Tiraden sich hervortut – ebenfalls am munteren Treiben gegen Lizas Welt sich beteiligte und recht forsch aussprach, was Günes, Arendt und Neumann noch zu umschreiben gezwungen sind: daß nämlich solche Herrschaften wie der Betreiber des inkriminierten Weblogs besser mit eindeutigen Zuschreibungen gekennzeichnet werden sollten: als nämlich die jüdischen Wiedergängerformen dessen, was man in Julius Streichers STÜRMER, als als [sic!] angeblich gemein und menschenverachtend kritisiert.
Es war tatsächlich der berühmte Stich ins Wespennest, der Gestalten aus recht unterschiedlichen Milieus gemeinsam in Rage versetzte. Sie alle teilen die Wahnvorstellung, daß die Welt von einer Handvoll sinistrer, arbeitsscheuer, unersättlich geldgieriger Gestalten qua Verschwörung zuschanden geritten wird, wie es ganz treffend in der Replik von Lizas Welt auf die Ergüsse der antikapitalistischen Meute heißt.
Antisemitic Book
Hetzschrift gegen die amerikanische Notenbank mit antisemitischen Stereotypen.

Nun ist es allerdings nicht lediglich intellektuelles Unvermögen, die Konkretionssehnsucht wider den abstrakten Tausch am Zinsgeschäft zu exerzieren: zwar scheint den Erben Gottfried Feders der Geldwert im Gegensatz zum in der kapitalistischen Vergesellschaftung zur Ware gewordenen Produkt – der Gebrauchs- und Tauschwert noch „anzusehen“ sind – gänzlich geheimnisvollen Ursprungs zu sein, doch ist diese Erkenntnisabwehr durchaus auch eine Projektionsleistung, nämlich der eigene Wunsch nach mühelosem Wohlstand und „Luxus für’s Nichtstun“.
Bemerkenswert ist, daß Mross, Müllenmeister und deren Entourage nicht die einzigen deutschen Finanzexperten sind, die derlei antikapitalistischem Unfug nachgehen und dort, wo eigentlich die Notwendigkeit der Wertverwertung kapitalistischer Vergesellschaftung zu kritisieren wäre, deren Konsequenzen beklagen und an konkreten Individuen haftbar machen: Stephan Heibel, wie Mross Börsianer, weiß zu berichten, daß die US-Finanzwelt maßgeblich von den Juden bestimmt wird, weswegen vor jüdischen Feiertagen mit Bewegung an der Börse zu rechnen sei, und „Mr. Dax“ Dirk Müller, erklärt dem Fernsehpublikum, daß die derzeitige Finanzkrise von einer – natürlich – in den USA ansässigen Finanz- und Machthydra geplant wurde und enthüllt vor laufender Kamera, daß die amerikanische Notenbank FED eine – horribile dictu – private Institution ist.
Müller kann sich darauf verlassen, daß sein deutsches Publikum versteht und beim Wort privat zusammenzuckt, ist er sich doch mit ihm darin einig, daß Kapitalismus ausschließlich nationalstaatlich und keinesfalls privat organisiert sein darf und also der Staat gefälligst als ideeller Gesamtkapitalist aufzutreten hätte.
Als ideologischer Bundesgenosse des deutschen Krisenlösungsmodells drängt sich da der Islam mit seinem Zinsverbot geradezu auf: Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland und Politiker der FDP, mithin einer Partei, deren Mitgliedern für gewöhnlich eine Affinität zu wirtschaftlichen Belangen nachgesagt wird, erklärt im umjubelten Video, weshalb das islamische Verbot des Zinsnehmens Gier und Wucher vorbeugt und die derzeitige Finanzkrise verhindert hätte, und schließt mit der Aufforderung an seine Zuschauer, etwas von dem, was wir gerade gehört haben, in die Tat umzusetzen.
Von der tatsächlichen Ausführung derartiger Aufrufe zum Handeln, würde Mazyek sich ebenso wie Mross selbstverständlich distanzieren; denn über die Vorgehensweise ihrer Leserschaft geben die Dokumentationen der Anti-Defamation League zur Finanzkrise ebenso Auskunft wie die Aufrufe auf Altermedia, dem vermeintlich enttarnten Denunzianten zu Leibe zu rücken.

Verfasst von: Woopaa | 17, März 2009

Feindbild Bagger

Kwak 3

Es gibt Serien für Kinder, von denen nicht wenige Eltern meinen, diese wären besonders wertvoll. Wertvoll deshalb, weil man meint, die Kinder würden eine Menge an ihnen lernen. Als krassen Gegensatz dazu nennen gemeinhin sich als ökologisch, pazifistisch oder einfach irgendwie links verstehende Eltern gerne irgendwelche Trickfilme und Kinderserien meist amerikanischer und gelegentlich auch japanischer Herkunft, von denen sie meinen zu wissen, dass sich diese voll von Gewalt, Hektik und Oberflächlichkeit negativ auf die Entwicklung ihrer Kinder auswirken würden und es durch sie nichts zu lernen gäbe.

Während Eltern aus dem Biobürgertum meist all jenes verteufeln, was im Programm von RTL 2, ProSieben oder anderen Privatsendern zu sehen ist, schätzt man, sofern man es seinen Kindern nicht total untersagt fernzusehen, das Kinderprogramm des öffentlich-rechtlichen Staatsfernsehens. Insbesondere mehr oder weniger ökologische Themen aufgreifende Serien wie „Löwenzahn“, „Als die Tiere den Wald verließen“ oder „Alfred J. Kwak“ haben es den um ihre Kinder besorgten Biopapas und Ökomamas besonders angetan.
Gerade die beiden letztgenannten Zeichentrickserien weisen dabei viele Ähnlichkeiten auf. In beiden Serien wird schon zu Beginn mehr als deutlich, wer bzw. was als das „Böse“ schlechthin zu gelten hat. Als quasi Ursünde gilt jeweils die Vertreibung aus der Heimat. Während in der einen Serie, deren Name Programm ist, Tiere aller Arten ihr harmonisches Miteinander im Thalerwald aufzugeben haben, weil Menschen mit Baggern und anderen Maschinen diesen zerstören, sind es bei „Alfred J. Kwak“ Zylinder tragende Bilderbuch-Kapitalisten, die als Bauherren eines Vergnügungsparks die Entenfamilie Kwak samt ihres kurz zuvor geschlüpften Nachwuchses aus der idyllisierten Fluss- und Wiesenlandschaft Großwasserlands vertreiben.
Und als ob das noch nicht genug des schrecklichen Beginns wäre, verunglückt kurz darauf auch noch die gesamte Familie, bis auf Alfred und den Maulwurf Henk, auf der Flucht bei einem Autounfall tödlich. Im Auto saßen übrigens eben jene, sich in großer Eile befindenden Bauunternehmer.

Alfred Bauherren

Schon die ersten zwei Folgen von Alfred dürften jene ökologisch orientierten Eltern also als sehr lehrreich empfinden. Heimat und Natur – gut –, Vergnügungsparks und Autos, ergo Technik und Fortschritt – tödlich.
Insbesondere kapitalistische Ausbeutung von Tier und Natur wird in einem Großteil der 52 Folgen thematisiert. Das Schema ist dabei fast immer gleich. Es wird meist sehr strikt zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten unterschieden. In der Episode „Skrupellose Geschäfte“ und den folgenden z. B. bekämpfen Alfred und seine Freunde den Bürgermeister Rokodil und seine vom Wissenschaftler Hannibal entwickelten Schiffe, welche eine Optimierung des Fischfangs ermöglichen sollen. Alfred schlägt sich hier wie auch sonst immer auf die Seite der vermeintlich Unterdrückten und Ausgebeuteten. Er solidarisiert sich sowohl mit den um ihre Lebensgrundlage beraubten, einfachen Fischern, als auch mit den Fischen selbst. Gemeinsam kämpfen alle gegen das raffgierige Krokodil mit der freundlichen Unterstützung eines Sägefisches und einiger Wale, die extra vom Südpol herbeigeholt werden, um den Hafen zu blockieren. Als letztendlich das hypermoderne Fangschiff in Flammen aufgeht, herrscht große Freude und Erleichterung bei allen an der subversiven Aktion Beteiligten.
Kein Wunder also, dass sich bei solch hochideologischem Stoff in Rotation insbesondere NGOs wie Greenpeace, PETA oder andere ökologisch orientierte Zusammenschlüsse wenig um immer neuen Nachwuchs sorgen müssen.
Aber nicht nur diese brauchen ob solcher Serien ausbleibende Sympathien wenig fürchten, auch Diktatoren aller Herren Länder haben wohl eher geringen Gegenwind zu erwarten, schließlich dürften pazifistisch gepolte Ex-Konsumenten solch niedlichen TV-Schunds eines immer kategorisch ausschließen: die militärische Intervention. Immerhin hat auch Alfred alle Probleme mit nur ein wenig gutem Willen und friedlichem Engagement lösen können.
So könnte übrigens auch jene Theatergruppe aus dem beschaulichen Ludwigshafen gedacht haben, welche im Herbst letzten Jahres mit Genehmigung des Erfinders der Ente, dem in Deutschland Hallen füllenden Liedermacher Hermann van Veen, nach Isfahan in den Iran reiste, um mit dessen Theaterstück über diesen kleinen Weltverbesserer beim Internationalen Kinder- und Jugendtheaterfestival aufzutreten. Nicht, dass man van Veen nicht zugestehen könnte, dass er es nicht gut meinen würde, aber sind seine Ansichten zum Konflikt zwischen Iran und Israel an Naivität kaum mehr zu übertreffen, wenn er z. B. auf seinem Blog von irgendwelchen Versöhnungsgesprächen, die Frau Merkel organisieren solle, faselt oder er sich darüber echauffiert, warum der Iran nicht dasselbe dürfe wie die USA.

Zu weiteren Episoden dieser Serie, in denen u.a. Nationalsozialismus, Apartheid oder der Nahostkonflikt behandelt werden, beizeiten mehr.

Verfasst von: gegenkritik | 22, November 2008

VI Day

Victory Day

More than five years ago, the USA and their allies decided to free Iraq of one of the most brutal dictatorships in the world. This victory was, as the editors of the journal Bahamas pointed out in their 2003 congratulation entitled Bush – the Man of Peace! also a defeat for Germany, whose Goverment in a frightening unity with its people opposed the war 2003 as a revenge for the disgrace 1945.
Actually, it was the first time since World War II that the Germans constituted as a Volksgemeinschaft again: left-wing extremists as well as neo-nazi groups and the average citizen cheered Chancellor Schröder for opposing the „warmonger“ George W. Bush. The battle cry of the countless peace demonstrations – „No more war!“ – and statements like „war is the worst crime against humanity“ told what was the real motivation for a people, who could once only be stopped with guns and tanks from annihilating millions of human beings.
Even if it was not stated explicitly: The peace-demonstration against the Iraq War in Germany were in fact nothing less than the delegitimization of the liberation of Auschwitz.
This was also expressed when the first airstrikes against targets in Baghdad were flown and there was a consensus in Germany, that those were the same „Anglo-American air gangsters“ (a neologism from Joseph Goebbels) who once „destroyed innocent german cities“. Another very popular slogan of the Friedensvolksgemeinschaft was „No blood for oil!“, once established by Nazi-publicist Anton Zischka to show the dichotomy between the „pure aryan blood“ and the black viscous oil, symbolizing the „Jewish-American capitalism“.

Victory Day
GI with a strong statement. Even though the opposition to the Iraq war was also dubious in other countries, the German stance was just disgusting.

It was also noteworthy, when around that time 82 Million Germans turned into experts for International law, who definitely know that the USA and especially the Bush-Administration were violating International law without ever reading the UN-Resolutions 678 and 1441.
This public discourse was characteristical for a country, which had no problems at all with German companies like Water Engineering Trading delivering toxic gas which was used by the Baath-regime to murder more than 5,000 Kurds in Halabja – German politicians followed the infamous dictum of Kofi Annan „Can I trust Saddam Hussein? I think I can do business with him“ while simultaneously the Germans hallucinated America as the biggest proliferator for Iraq, even though this had nothing to do with reality.
The hypocrisy reached its climax, when Saddam Hussein was finally caught and sentenced to death. People who were not interested at all in the victims of Saddam’s cruel regime, who negate the universality of the human rights and declare a dictatorship as the „natural“ political constitution for Arabic people were demonstrating against the death penalty for a mass murderer.
More than five years later, the commentatorship has become silent. After the first shock in 2003, when against all prognoses the Iraqis did not want to die for their Führer (a behavior, that was totally inapprehensible for most Germans), there was at least some satisfaction in Germany, when al Qaeda, Mahdi Army, Badr Brigade and other terrorist rackets killed many GIs and much more Iraqis. A wiseacre, cynical and spiteful undertone was formative for the german media coverage in the past years.
The spreading silence about the Iraq war now is also an evidence, that the USA and their allies won this war.

Thank you, America!

VID

Verfasst von: gegenkritik | 19, November 2008

Victory in Iraq

In einem lichteren Moment einer trüben Kolumne fiel dem größten deutschen Linken Hermann L. Gremliza einmal ein, daß „[d]as tägliche Leben zeigt, daß gute Menschen aus besten Motiven Unheil anrichten können und böse aus miesen Nützliches.“

Was so banal daherkam, unterschied den konkret-Herausgeber dann doch von der Mehrzahl seiner Landsleute, denn in besagter Kolumne auf Seite 9 der Ausgabe 5/2003 seines Blattes brachte der größte Kommunist im ganzen Land seine Überzeugung zum Ausdruck, daß der Sturz Saddam Husseins durch die militärische Intervention der USA und ihrer Verbündeten eben auch dann zu begrüßen wäre, wenn man Amerikaner generell für böse Menschen hält, die aus miesen Beweggründen ganz unfreiwillig eben doch Gutes tun. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Mehrheit von Gremlizas Volksgenossen noch in einer Art Schockstarre über die rasche Kapitulation des Baathregimes, deren mangelnde Treue zu ihrem Führer den Deutschen nur als Verrat an der Sache gelten konnte; völkische Gefühlswallungen also, zu denen Hermann L. zumindest vordergründig Distanz wahren wollte, obschon er die nationalsozialistische Parole „Kein Blut für Öl!“ – wohlwissend um deren „braune Geschichte“ – zur Entlarvung eben jenes miesen Motivs heranzog, aus dem vom Bösen unbeabsichtigt das Nützliche erwachse.
Fünfeinhalb Jahre Counter-Insurgency im Irak, dutzende Gremliza-Seltsamheiten und viel deutsche Freude über im Irak getötete GIs später stellt die Lage im Irak weitaus besser sich dar, als von den hiesigen Völkerfreunden erhofft und prophezeit, was auch im spürbaren Unwillen zur Berichterstattung über diese Besserung durch diejenigen sich niederschlägt, die in den USA gleichfalls eine Zusammenrottung böser Menschen mit miesen Absichten am finsteren Werk sehen, aber niemals auf den Gedanken verfallen würden, der gewaltsamen Absetzung Saddam Husseins etwas Nützliches abzugewinnen.
Angesichts dieser nur allzu bekannten deutschen Zustände erscheint die Initiative einiger amerikanischer Blogger, den 22. November zum Victory in Iraq Day zu erklären und damit den Sieg in einem von vielen fälschlicherweise verlorenen geglaubten Krieg zu zelebrieren, als höchst sympathisch, und der zu erwartende Hohn im Falle eines größeren Bekanntwerdens dieser Aktion in Old Europe macht die Unterstützung derselben beinahe zur Pflicht.

Victory in Iraq Day

Verfasst von: gegenkritik | 6, November 2008

Hail the Messiah, hate America

Amerika hat gewählt und wie es die Umfragen seit längerer Zeit voraussagten, wird der vor allem außerhalb der USA als Messias gefeierte Barack Obama den verhassten Amtsinhaber George W. Bush ablösen.

Das in Europa im Zuge der Obamania immer häufiger zu hörende Mantra, die Sympathien für den nun 44. US-Präsidenten bewiesen, daß es doch eigentlich gar keinen Antiamerikanismus in Europa gäbe, sondern nur eine legitime „Kritik“ an der Regierung Bush, wurde vor einiger Zeit schon durch verschiedene Studien als Lüge entlarvt. Viel mehr verweist die Gleichzeitigkeit der Abneigung gegen die USA als Hort bürgerlicher Zivilisation und der einer autoritären Sehnsucht entsprungenen unkritischen Verehrung, welche Obama vor allem in Deutschland von den Massen entgegengebracht wurde und die frappant an den kultischen Wahn um dubiose Scharlatane wie Mahatma Ghandi oder den Dalai Lama erinnert, auf die Hoffnung, Amerika würde sich unter einem sozialdemokratischen Präsidenten in eine Außenstelle (Deutsch)-Europas transformieren.
Obama Hamas
Auch die Hamas zeigt mit neuem Emblem Unterstützung für Hope und Change

Aber nicht nur in Krautland, wo das fehlerfreie Unterbringen der Wörter Bush, Krieg, Irak, Öl in einem Satz bereits als Ausweis politischer Bildung gilt und jeden noch so provinziellen Journalisten zum außenpolitischen Experten avancieren lässt, berauscht man sich konsequenterweise an den Floskeln von Change und Hope.
Auch die islamische Muslimbruderschaft, deren palästinensischer Ableger Hamas, die Unterstützer der Terrororganisation Hizb-Allah sowie weitere djihadistische Gruppierungen und Personen feierten den Wahlsieg Obamas, verbinden sie doch mit diesem die Hoffnung, fortan weniger Störungen ihrer djihadistischen Agenda in Form militärischer Interventionen durch die US-Streitkräfte fürchten zu müssen.
Erleichtert aufgenommen wurde die Wahl Obamas aus ähnlich gelagerten Gründen auch in einer Reihe von Rogue states, deren Führung sich zuvor ebenfalls für den Senator aus Illinois ausgesprochen hatte, darunter der Iran, Nordkorea und im Venezuela Hugo Chavez‘.
In einem anderen Schurkenstaat geriet die Berichterstattung am Wahlabend noch einmal zur Generalabrechnung mit Obamas verhasstem Amtsvorgänger George W. Bush: ARD und ZDF überboten sich förmlich im Bush-Bashing; eine Schimpftirade, die in dieser Form wohl kaum mit den gewählten Repräsentanten anderer rechtsstaatlicher Demokratien – Israel ausgenommen – ohne Kündigung des verantwortlichen Intendanten vorstellbar erscheint und die qualitativ noch weit über den „gängigen“ Antiamerikanismus hinausreichte.

ObamaMessiah
Glenn Beck zufolge plant der Messias die Einführung einer neuen Nationalhymne

Man scheint es Präsident Bush bis heute nicht verziehen zu haben, 2003 ohne Genehmigung des selbsterklärt wichtigsten Landes auf Erden den Irak vom Baathregime befreit und schlußendlich den in Deutschland ungeheuer populären Diktator Saddam Hussein gestürzt zu haben. Dessen Beliebtheit, die im Zuge seiner Hinrichtung groteske Ausmaße annahm und erwachsene Menschen, die nicht einmal ein Schulterzucken für die Opfer von Saddams Diktatur übrig hatten, über die „Grausamkeit der Todesstrafe“ lamentieren ließ, dürfte maßgeblich auch auf die Tatsache zurückzuführen sein, daß der Irak Saddam Husseins zu den Hauptsponsoren palästinensischer Terroristen gehörte und es war wohl nicht nur der grüne Vorzeige-Antisemit Hans-Christian Ströbele, der die Einschläge irakischer Scuds in Israel 1991 goutierte – die innige Verbundenheit mit dem Diktator ging soweit, daß aus Deutschland auch bereitwillig Giftgas in den Irak geliefert wurde, mit welchem das Regime unter anderem 5.000 Kurden in Halabja ermordete.
Hinzu kommt die Tatsache, daß im Post-Saddam-Irak auch minderjährige Mädchen zur Schule gehen können und liebgewonnene Praktiken des Regimes im Umgang mit politischen Dissidenten wie das Abschneiden von Gliedmaßen oder die Auspeitschung auf öffentlichen Plätzen wegfallen, was den deutschen Kulturrelativisten von ARD, ZDF, Süddeutscher und taz gehörige Bauchschmerzen bereitet, gilt ihnen doch eine arabische Diktatur als angemessene politische Organisationsform für den Iraker, der qua Herkunft zur Demokratie unfähig sei und dem man die Gewährung der für weiße Europäer reservierten Menschenrechte missgönnt.
Auch aus diesem Grund ließen deutsche Medien lieber unter den Tisch fallen, daß man im Irak angesichts der Bedrohung durch den Iran lieber einen Präsidenten McCain gesehen hätte – ebenso wie in Israel, wo Obamas außenpolitische Stichwortgeber, wie etwa die verklausuliert auf einen amerikanischen Militärschlag gegen Israel drängende Samantha Power oder der mittlerweile ebenfalls geschasste Berater Robert Malley, ein ausgewiesener Hamas-Sympathisant, ebenso bekannt sind, wie der notorisch israelfeindliche Zbigniew Brzezinski oder der PLO-Sprecher und Obama-Freund Rashid Khalidi.
In der New York Post gab Ralph Peters einige Tage vor der Wahl einen fiktiven Rückblick auf vier Jahre Präsidentschaft des Demokraten; vor allem der zweite Absatz dürfte kennzeichnen, was viele Fans Obamas unter Hope verstehen:

Looking back on the four years of his first administration, President Obama can be proud: He made the US welcome among the family of nations again; he reduced our reliance on military force; and he gave us peace by reaching sensible accommodations with our enemies.
The lies told about him in the 2008 election were exposed as sheer bigotry. Far from being „soft on radical Islam,“ President Obama was the first world leader to welcome Jewish refugees after Iran’s nuclear destruction of Israel’s major cities (his only caveat – a fair one – was the refusal to accept Zionist military officers and their families, in light of Israel’s excessive retaliation).

Daß Obama keineswegs so übel ist, wie viele seiner – vor allem deutschen – Sympathisanten, steht dennoch außer Frage. Bleibt zu hoffen, daß nicht allzuviel des Wahlkampfgetöses von Hope und Change in realer Appeasementpolitik sich niederschlägt.

Verfasst von: gegenkritik | 6, Oktober 2008

Von Demonstrationen und Studien

Zwei im Abstand von einer Woche abgehaltene Demonstrationen sowie eine dazwischen erschienene Studie gaben kürzlich Auskunft über die Verhältnisse im postnazistischen Staat. Mit einer breiten antirassistischen Volksfront kann hierzulande rechnen, wer für Antisemitismus, Homophobie und Frauenunterdrückung demonstriert, denn in der Parteinahme für den Islam kommen die deutschen Antirassisten zu sich selbst.

Die eine, medial stark beachtete Demonstration brachte als Gegenkundgebung wider den „Antiislamisierungskongress“ der rechtsradikalen Wählergemeinschaft pro Köln vom CDU-Oberbürgermeister Fritz Schramma, über Jusos, Antifagruppen, Gewerkschaften, abgehalfterte Deutschrocker, Kirchengemeinde, apolitische Eventsüchtige und fromme Moslems das gesamte gesellschaftliche Spektrum auf die Straße, um eine Machtübernahme der Rechten in letzter Sekunde abzuwehren, was aufgrund der schieren Anzahl und der unverhohlenen Gewaltbereitschaft dieser solcherart konstituierten Volksgemeinschaft auch gelang: mit Verweis auf die „allgemeine Sicherheitslage“ verbot die Polizei letztendlich den Kongress, was wiederum bei manchen Staatsrechtlern und Publizisten Stirnrunzeln hervorrief.
Die andere Demonstration trug eine Woche darauf in Berlin sich zu: seit Ayatollah Khomeini 1979 den letzten Freitag des Ramadan als „Al-Quds-Tag“ zur Pflichtmanifestation für die Zerstörung Israels erklärte, versammeln sich zu diesem Datum alljährlich auch in westlichen Ländern allerlei Islamisten zum friedlichen Vernichtungsspektakel wider die zionistische Entität.

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Friedliche Demonstranten rufen zur Vernichtung Israels auf: „Al-Quds-Tag“ in Berlin, 27.09.2008.*

In zeitlicher Nähe dazu veröffentlichte das Pew Research Center eine großangelegte Studie [PDF], in der man zu dem Schluß kam, 50% der Deutschen hegten negative Einstellungen gegenüber Muslimen, wohingegen lediglich 25% sich negativ gegenüber Juden äußerten. Dies schien jene vor allem in linken Kreise beliebte These zu bestätigen, wonach der Antisemitismus ein viel geringeres gesellschaftliches Problem sei als die allenthalben anzutreffende „Islamophobie“.
Manuel Frischberg erklärte in seinen Anmerkungen** zur Genese dieses Kampfbegriffs, weshalb gerade im postnazistischen Deutschland das Konzept Islamophobie so erfolgreich verfängt:

Unverkennbar ist hier das Bemühen, der nun wieder „selbstbewussten Nation“ Normalität zu attestieren und den deutschen Antisemitismus unter ferner liefen einzuordnen. Er gilt als veraltete Spielart jenes „Potentials der Ablehnung von Minderheiten“, dessen gegenwärtiger Ausdruck nun der „Antiislamismus“ sei. In den 1990er Jahren lautete die gängige Redewendung, die Türken seien die Juden von heute. Spätestens in diesem Zusammenhang tauchte die Wortschöpfung „Antiislamismus“ auf, die weniger verschämt als der Begriff „Islamophobie“ das Bestreben nach Nivellierung des Antisemitismus offen legt.

Deshalb erregte Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, mit seinen Äußerungen auch keinen Widerspruch, als er im Vorfeld des gescheiterten „Antiislamkongresses“ im Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger kundtat, daß die Rassisten um pro Köln ihren Antisemitismus hinter „islamfeindlichen Parolen“ versteckten – dieser angedeutete Paradigmenwechsel, der Antisemitismus würde im Gewand der „Islamfeindlichkeit“ auf die Muslime übergehen und sei letzthin nur eine Spielart des Rassismus, nur diffuse Antipathie gegens Fremde und die Objekte der pathischen Projektion jederzeit austauschbar, entsorgt nicht nur die deutsche Vergangenheit (und Gegenwart), sondern negiert in letzter Konsequenz auch den dem Islam immanenten tatsächlichen Antisemitismus und modelt dessen Anhänger zu Opfern eines begriffslosen Schein-Antisemitismus um.

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„Meinungsfreiheit für Zionismusforscher und Gegner Israels“ – einige beherzte „Zionismusforscher“ mussten von ihren frommen Kameraden und der Polizei an allzu praktischer „Israelkritik“ gehindert werden

Die Pew-Studie, der zufolge 38% der Deutschen Muslime eher negativ und 12% diese sehr negativ sähen, trifft denn auch keinerlei Aussagen über Zusammenhänge zwischen dieser Abneigung und dem in Deutschland auch verbreiteten Rassismus, der sich gegen Menschen türkischer oder arabischer Herkunft – welche die Mehrzahl der hiesigen Anhänger des Islam ausmachen – richtet, obschon zu vermuten ist, daß beides in eins fällt und eben kein spezifischer, gegen den Islam gerichteter Rassismus existiert. Zu einem ähnlichen (Fehl)Schluß wie die Verantwortlichen des Pew Research Centers kam vor einiger Zeit auch der deutsche Soziologe Wilhelm Heitmeyer, dessen Studie*** Deutsche Zustände [DOC] ebenso eine „Islamophobie“ als Rassismus auszumachen versuchte und der zur Einebnung der Unterschiede zwischen realem Rassismus und Antisemitismus den Begriff der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ erfand, welcher die Marschrichtung – Unterbindung jeglicher Islamkritik und Verwässerung einer Kritik des Antisemitismus – schon vorgibt.
Die Ungeheuerlichkeit und Absurdität der Gleichsetzung von Antisemitismus und des auf die iranischen Mullahs zurückgehenden Kampfbegriffes der Islamophobie offenbart sich eindrucksvoll in Köln, wo eine tatsächliche Volksfront nicht nur gegen pro Köln auf die Barrikaden ging, sondern auch dezidiert für den Islam Partei ergriff: die Stadtoberen luden den bekannten Publizisten Ralph Giordano – obwohl selbst Kölner – aufgrund dessen islamkritischer Haltung erst gar nicht zu ihrer Veranstaltung ein, die mit Giordano am Samstag auf einer kleinen Veranstaltung auftretende Exiliranerin Mina Ahadi vom Zentralrat der Ex-Muslime wurde von deutschen Volksfrontlerinnen als „Rassistin“ beschimpft und Verteiler des Flugblatts „Mit Islamismus gegen die Aufklärung“ der Aktion 3. Welt Saar vom pöbelnden Mob angegangen***, kurzum: Kritik an islamischen Zumutungen war an diesem Wochenende durch Volkes Zorn untersagt und Zuwiderhandelnde konnten ihrer körperlichen Unversehrtheit nicht sicher sein.
Während also die islamfaschistische DITIB als Bauherrin eines Moscheekomplexes, der für die Konservierung von Zuständen garantiert, in denen Frauen zwangsverheiratet und unters Kopftuch gezwungen werden und Homophobie sowie Antisemitismus prächtig gedeihen, von jeder Kritik ausgenommen wird, zeigt man sich in Köln weniger großzügig, wenn es um Bauten mit Bezug zur jüdischen Kultur geht und eine antisemitische Dauer-Manifestation direkt vor dem Kölner Dom vermag nicht einen Bruchteil der Menschenmassen zur kritischen Intervention zu bewegen wie der „Antiislamisierungskongress“.

Entlarvte schon die Reaktion auf die vor einigen Wochen in Berlin stattgefundene Demonstration der NPD gegen den Bau zweier Hindutempel, als sich lediglich einige hundert der üblichen Verdächtigen aus dem Antifaspektrum zur Gegenkundgebung versammelten, daß nicht jede Religion zum Aufhänger für Volksfrontspektakel sich eignet, der real existierende Islam also eine unheimliche Faszination auf die Volksgenossen ausübt, so war nach der Demonstration gegen den „Al-Quds-Tag“ in Berlin die Sachlage klar: obwohl die Veranstalter der Gegendemonstration im Aufruf sorgfältig darauf achteten, den Islam mit keinem bösen Wort zu bedenken und Religionen per se aus der Kritik zu nehmen, obwohl zu den Unterzeichnern des Aufrufes auch Leute wie Petra Pau, Bodo Ramelow und Gregor Gysi gehörten, die, nähmen sie ihre Kritik am Antizionismus ernst, als erste Konsequenz ihr Parteibuch abzugeben hätten und obwohl der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck sich explizit an die Muslime wandte, an der Gegenkundgebung teilzunehmen, waren es lediglich 150 Personen, die sich der antisemitischen Zusammenrottung entgegenstellten.

Volksfronten richten sich in Deutschland eben von jeher nicht gegen Antisemitismus.

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*Sämtliche Fotos von Simon P., herzlichen Dank hierfür

**Frischberg, Manuel: Das Konzept Islamophobie als Abwehr westlicher Zumutungen. Zur Genese eines Kampfbegriffs. In: Grigat, Stephan (Hrsg.): Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus. Freiburg 2006 S. 165f.

***Besten Dank für die Hinweise an Lizas Welt

Verfasst von: gegenkritik | 18, September 2008

Bax für Appeasement

Nachfolgend der leicht überarbeitete Beitrag zu einem Artikel Daniel Bax’ in der taz, in welchem dieser den Anfang dieses Jahres in Berlin stattgefundenen Kongress des Bündnis gegen Appeasement diffamiert.

Bax, den Henryk M. Broder vollkommen zurecht als Judenreferenten der taz titulierte, empörte sich bereits in der Einleitung seiner Schimpftirade darüber, daß „Gesinnungsethiker“ und „erschöpfte Eiferer“ angeblich darüber berieten, „wie sich der Iran am besten bombardieren ließe“. Zwar verrät schon ein flüchtiger Blick auf das Veranstaltungsprogramm [PDF], daß es an den zwei Tagen weniger um die Frage B-1B, B-2 oder B-52, sondern um die Charakterisierung des iranischen Mullahregimes, die Denunziation der europäischen und insbesondere der deutschen Appeasement- respektive Kollaborationspolitik gegenüber Teheran sowie der daraus sich ergebenden existenziellen Bedrohung für den jüdischen Staat ging, aber mit seiner eigenwilligen Interpretation des Konferenzablaufes gab der taz-Schreiberling, welcher neben Bahman Nirumand als einer der energischsten Apologeten der islamischen Diktatur hierzulande sich hervortut, weniger Auskunft über die Referierenden, als vielmehr über seine eigene ihn immerzu umtreibende Furcht, der Iran könne durch ein militärisches Eingreifen doch an seinen Vernichtungsabsichten gehindert werden.

Nun lässt sich die Barbarei im „Gottesstaat“ zwar nicht zur Gänze leugnen, weswegen Bax gezwungen ist, ein Alibiwort darüber zu verlieren, daß er es verständlich fände, wenn jemand „Abscheu“ gegenüber dem Treiben der Ayatollahs empfände, allerdings wird auch klar, daß seine eigene Einstellung den iranischen Machthabern gegenüber keinesfalls von Abscheu geprägt sein kann, wenn er ironisierend bemerkt, die „Lektionen“ während der Konferenz hätten sich „durchweg [um das] finstere Wesen des iranischen Mullahregimes gedreht“ – als wäre an einem (Un)Staat, der Frauen steinigt, Homosexuelle an Baukränen aufknüpft, Minderjährige hinrichtet, politische Dissidenten exekutiert, Terrorismus befördert und die Vernichtung Israels anstrebt, irgendetwas nicht finster.
So ist es also durchaus nachvollziehbar, daß der taz-Redakteur an den Ausführungen Thomas von der Osten-Sackens und Gerhard Scheits zu knabbern hat, insbesondere die Herausstellung von Gemeinsamkeiten der islamischen Ideologie mit dem Antisemitismus der Nazis stößt Bax übel auf. Hinter der heftigen Leugnung der Ähnlichkeit zum deutschen Vernichtungswahn verbirgt sich die diffuse Ahnung, daß es eben doch so sich verhält – was für Bax aber, offen zu Ende gedacht, zu der unangenehmen Frage führen würde, warum er es denn ausgerechnet mit denen hält, die heute als erste das Vernichtungswerk der Nazis fortführen.
Klang für den Pressesprecher der Mullahs in der taz schon die Forderung nach internationaler Isolierung Teherans, die vom Vorsitzenden der Green Party of Iran, Kazem Moussavi, aufgestellt wurde, „nicht realistisch“ – obwohl Bax insofern recht hat, als ja vor allem in Deutschland und Österreich der politische Willen zum Boykott vollkommen fehlt – so packte ihn angesichts des Resümees Christine Krauses die blanke Angst: „[N]ur durch Zerschlagung der Terrorbanden und den Sturz des Regimes im Iran“, so die Mitorganisatorin der Veranstaltung, sei der War on Terror zu gewinnen. Nein, die „Feldzüge der USA im Irak“ oder der „Israels im Libanon“ dürfen sich nicht wiederholen, denn für einen überzeugten Pazifisten ist nichts Schlimmeres vorstellbar, als wenn das auserkorene Opfer sich zur Wehr setzt.

IAF F16
Bax’ Alptraum – israelische F-16I

Vollkommen unverständlich war für Bax deshalb auch, daß es auf der Konferenz keine „Debatten“ und keinen „Widerspruch“ gab – daß tatsächlich Leute existieren, und seien es nur 150 „erschöpfte Eiferer“, für welche die Solidarität mit Israel ebensowenig verhandelbar sein soll, wie das Recht des jüdischen Staates, gegen Antisemitismus auch militärisch vorzugehen, ist einem eingefleischten taz-Redakteur Anlaß für wütende Beschimpfungen.
Dabei hätte Bax, wäre er tatsächlich auf der Konferenz erschienen, durchaus „Widerspruch“ in seinem Sinne erleben können: als die Dokumentarfilmerin Fathiyeh Naghibzadeh ihr höchst interessantes Referat über die Stellung der Frau im Gottesstaat Iran vortrug, brüllten einige sehr deutsche Antiimperialisten in schlechtester linker Tradition die Referentin nieder, wie sie es „wagen könne“ (!), den Islam als Ganzes zu beleidigen – der Vorfall hätte auch dem taz-Berichterstatter wohl außerordentlich gefallen, denn wenn dieser sich auch beklagt, auf der Konferenz sei „niemals von Menschen die Rede“ gewesen, sondern nur von „widerstreitenden Kräften und Ideologien“, so sind es doch gerade Islamapologeten vom Schlage eines Daniel Bax, die beständig das Zwangskollektiv Islam vor Kritik in Schutz nehmen, die Opfer der islamischen Herrschaftspraxis dabei zynisch ignorierend. Dazu passt auch, daß Bax mit keinem Wort die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen inklusive Leibesvisitation und Metalldetektorabtastung im Vorfeld der Konferenz erwähnt – derartige, anscheinend nicht zur Skandalisierung taugende Zustände werden wohl hingenommen, wenn in einer deutschen Universität eine israelsolidarische Tagung stattfindet.

So fiel denn auch das Fazit in der taz ganz einseitig aus: während die Redner der Konferenz die Vernichtungsdrohungen Ahmadinedschads gegen Israel und den djihadistischen Krieg gegen den Westen bloß imaginierten, weiß ein Daniel Bax zu differenzieren, etwa mit der bahnbrechenden Erkenntnis „dass den schiitischen Gottesstaat Iran und die arabisch-sunnitischen Gotteskrieger von al-Qaida schwer zu überwindende Gegensätze trennen.“ – was so richtig wie hintersinnig ist: zum einen bringt der einende Hass auf Israel durchaus eigentlich eher gegensätzliche Partner – etwa den nusairischen Ba’th-Faschismus in Syrien und den imamitischen Schia-Islam im Iran – in gemeinsame Allianzen, zum anderen dürfte es für die als Gegner Identifizierten relativ egal sein, welcher Spielart des globalen Djihad sie zum Opfer fallen.
In dem an inhaltlichen Fehlern reichen Text fällt denn auch kaum weiter auf, daß Bax die Friedfertigkeit des Iran mit dem höchst fragwürdigen Argument begründet, dieses Land hätte noch nie einen Krieg von sich aus begonnen – eine Behauptung Ahmadinedschads, die der Politikwissenschaftler Dr. Matthias Küntzel eindrucksvoll widerlegt.

Denjenigen, die sich kompetent und umfassend über die iranische Mullahdiktatur und damit zusammenhängende Topoi informieren möchten, sei anstelle der taz ein im Studienverlag erschienener Sammelband fachkundiger Autoren – neben den Publizisten Henryk M. Broder und Leon de Winter sind etwa die Politikwissenschaftler Stephan Grigat und schon erwähnter Matthias Küntzel ebenso vertreten wie die Exiliranerin Nasrin Amirsedghi und der israelische Historiker Benny Morris – empfohlen: Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer.

Daniel Bax könnte einiges lernen.

Verfasst von: gegenkritik | 16, September 2008

Veranstaltungshinweis

Anlässlich des in Kürze stattfindenden „Anti-Islamisierungs-Kongresses“ in der Multikulti-Metropole Köln sei an dieser Stelle ein Veranstaltungshinweis für all jene dokumentiert, die weder mit den Rassisten um „pro Köln“ sympathisieren, noch mit den Islamfaschisten der DITIB und deren antirassistischen Helfershelfern für das islamische Menschenrecht auf Antisemitismus, Geschlechterapartheid und Homophobie demonstrieren möchten.

Am 18. September veranstaltet die Kölner Georg-Weerth-Gesellschaft eine Diskussion mit dem Bahamas-Redakteur Sören Pünjer über die Ähnlichkeiten dreier ideologischer Bündnispartner:

Gemeinsam gegen Nazis!
Über Antirassisten, „Islamkritiker“ und grüne Nazis

Vortrag & Diskussion mit Sören Pünjer
Redakteur der Zeitschrift Bahamas und Mitinitiator der Kampagne „Good Night, White Pride“

Seit der Kölner Rat per Beschluss den Bau der Ditib-Moschee endgültig abgesegnet hat, ist jedes Leugnen von antirassistischer Seite zwecklos. Was ohnehin jeder wissen konnte, der es wissen wollte, hat nun die demokratischen Weihen erhalten: die Mehrheitsverhältnisse sind auch in Köln fest im Bunde mit den Protagonisten und Förderern des Antirassismus. Die antirassistischen Ideologen von der Antifa bis zur Ditib verstehen es dagegen nicht nur in Köln mit Bravour, erfolgreich mit der Lüge hausieren zu gehen, sie seien, im Gegensatz zur angeblich abgrundtief islamophoben deutschen Mehrheitsgesellschaft, eine widerständige Minderheit im Land.

Diese Inszenierung als verfolgte Unschuld funktioniert wiederum nur vor dem Hintergrund, dass man die Nazis von Pro Köln zu so einer Gefahr aufbauscht, dass der Eindruck entsteht, die Dehoust-Truppe stünde unmittelbar vor der Machtübernahme erst in Köln, dann in Nordrhein-Westfalen und schließlich in ganz Europa. Die Mahner vor der Islamophobie klammern sich indes um so fester an die Lüge, Deutschland stünde vor dem rassistischen Abgrund, je stärker sich diese Lüge vor allem in Westdeutschland einer verbliebenen Restrealität entzieht. Folgerichtig muss jeder noch so zaghafte Islamkritiker dekretorisch unter den Verdacht des Rassismus gestellt und der Islam immer stärker vor jeglicher Kritik in Schutz genommen werden, um weiter den moralischen Mahner und Warner vor der Wiederkehr des hässlichen Deutschland geben zu können.

Die Herrenmenschenreligion Islam zu kritisieren setzte dagegen voraus, mehr über die Kritik der Religion wissen zu wollen als neunmalklug davon zu schwafeln, dass ein bärtiger Mann im 19. Jahrhundert nicht vom Opium für`s Volk, sondern des Volkes sprach. Dass die antirassistische Ideologie seit ihrem Begründer Frantz Fanon aus der Ablehnung des Westens ihre Attraktivität bezieht, lässt sich wie im Brennspiegel seit Monaten im so genannten Kölner Moscheestreit erleben. Der Unwille und die offen zutage liegende Unfähigkeit zur Kritik des Vereins für das Türkentum im Ausland, der sich Ditib nennt, speist sich aus einer Ablehnung des Westens, über den man nur weiß – komme, was da wolle –, dass man ihn schon aus Prinzip nicht als das Bessere und damit Verteidigenswerte begreifen darf.

Der Antirassismus, der nicht nur in Köln das Sagen hat, hat sich nie für den Traum von einer Sache interessiert, der sich die Befreiung des Individuums zum Ziel gesetzt hat, und zu dessen Voraussetzung schon in einem berühmt gewordenen Manifest die Zerschlagung jeglicher feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse erklärt wurde; im Gegenteil, dieser Antirassismus hat diesen Traum schon immer im Namen von Kultur, Kollektiv und Scholle bekämpft und unter Pervertierung der Begriffe vom Besseren und des Fortschritts nach und nach eine furchtbare ideologische Nähe zu denen hergestellt, die man aktuell in Köln zum Erzfeind erklärt hat: die braunen Fans von Volkstum und ursprünglicher Gemeinschaft. Über diese Nähe von Antirassismus und braunem Ethnopluralismus wird schon deshalb zu sprechen sein, weil die grüne Fraktion der Ditib genau auf dieser antirassistischen Pro Köln-Linie liegt und somit die Dritte im ideologischen Bunde ist.

Donnerstag, den 18. September 2008, 19.30 Uhr.
AStA Café Unikum, Raum C, Universitätsstraße 16a, Köln.

Mit freundlicher Unterstützung der Fachschaft Geschichte an der Universität Köln.

Um dennoch ein schönes Wochenende zu verbringen und der vermutlichen Konfrontation zwischen antirassistischer Volksfront und den Rassisten nicht beiwohnen zu müssen, empfiehlt es sich, sein Kölsch weitab vom Heumarkt zu genießen oder den zuletzt eher glücklosen FC beim richtungsweisenden Spiel in Bielefeld zu unterstützen.
Wer unbedingt Flagge zeigen möchte und besonders wagemutig ist, kann sich ja die israelische oder amerikanische in Buttonform an die Kleidung heften – das garantiert dieser Tage in Köln sicherlich für viel freundlichen Zuspruch.

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